Muntere Muskeln

- Schaut sie euch an, die hartgesottenen Machos. Klein wie Oskar sind sie, wenn sie - was sonst weibliche Domäne - mal alle Hüllen fallen lassen sollen. Die Striptease-Komödie "Ladies Night" (1987) von Stephen Sinclair & Anthony Mc Carten, die vor acht Jahren als Brit-Leinwandstreifen "Ganz oder gar nicht" Furore machte, ist nun in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof angekommen. Das Thema ist nicht weltbewegend, aber von nicht totzukriegendem Unterhaltungspotenzial, wie soeben festgestellt in Folke Brabands spritzig-temporeicher Bühnen-Inszenierung. Am Ende ein Applausorkan und ein glücklich strahlendes Stripper-Quintett.

Das neuseeländische Autoren-Duo war clever genug, die Story zumindest locker als "social drama" zu verankern. Im Niedergang einer englischen Industriestadt sind ihre fünf Helden arbeitslos geworden. Die Ehen wackeln. Die Schulden wachsen. Und der Trostgang ins Pub und zu viele Bierchen haben Spuren in der Leibesmitte hinterlassen. Und nun die Wende: Craig, mit der Russenmafia im Nacken am tiefsten im Schlamassel, hat die finanzträchtige Idee zu einer Striptease-Show. Titel "Die wilden Stiere".

Treffpunkt: ein abgewetzter Kneipennebenraum, dessen stockfleckige Edeltapete von vergangenen besseren Zeiten zeugt. Hier beratschlagt sich das Freundes-Trio Craig, Barry und Norman, probt schon mal ein paar selbstgebastelte Show-Schritte an. Aber nee, so amateurisch verhäkelt wird das nichts. Also Vortanz-Termin anberaumen. Stakst langbeinig ein Gavin herein, so ein naiver Bühnengeiler, zeigt zwar Null-Tanzbegabung, dafür - ruckzuck, das enge Trainingshöschen runter - offensichtlich mächtiges naturgewachsenes Talent. Auftaucht düster drohend noch ein Russe. Ein Mafioso - und Craigs letztes Stündlein? Gottlob nein. Wassili will auch ein "Wilder Stier" sein. Gerettet! Denn er, in zünftiger mehrlagig schlabbernder Streetdance-Kluft, schlenkert seinen Body wie ein Profi aus gut trainiertem HipHop-Club. Dann entpuppt sich der permanent vor sich hinmümmelnde Stammgast-Bierdimpfl (nicht mehr Regie-Fantasie für Rudolf Otahal??) als ehemaliger Tanzlehrer, bringt das noch etwas wildwüchsige Exercice in revueartige Showform, und "Sex Bomb" und weitere Popmusik machen ungeübte Muskeln munter.

Die Handlung und auch die Dialoge ums verschämte Drückebergern vor der letzten Enthüllung sind eher - verhehlen geht hier schlecht - von der diätetisch schlanken Art. Zuschauers Hauptvergnügen bleibt das Hingucken: Wie machen die das jetzt? Und sie machen es hinreißend, ohne jedes peinliche Erröten! Der in Weißrussland geborene Eduard Burza (mehrfacher Stock- und Schwertkampfmeister) mischt die Crew fremdsprachig und feinmotorisch auf. Dominik Meurer lässt im Schwulennarziss Gavin eine sympathische Portion Menschlichkeit zu. Torsten Münchow spielt den an strenger Ehe-Leine gehaltenen Tapsbär Norman, Sebastian Goder mit seiner nervösen Verve den gehörnten Maulhelden Barry. Und Pascal Breuer gibt seinem von Gläubigern und Ex-Frau gejagten Craig die verletzliche Intensität eines zähen Überlebenskämpfers.

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