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Muse-Frontmann Matthew Bellamy.

Rockband in der Olympiahalle

Gesamtkunstwerk mit Abstrichen: Die Konzertkritik zu Muse in München

München - Getreu ihrem Tournee-Motto "Drones" bot die britische Rockband Muse dem Münchner Publikum in der Olympiahalle bei ihrem Konzert am Donnerstagabend nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch für die Augen.

Man kann ihnen wirklich nicht vorwerfen, sie würden den Zuschauern nichts bieten für ihr Geld: Auch der jüngste Münchner Auftritt des Rock-Trios Muse war alles andere als ein normales Konzert, sondern ein gigantisches Multimedia-Spektakel. Die drei Engländer pfiffen auf britisches Understatement und zelebrierten ein optisch und akustisch berauschendes Gesamtkunstwerk – ein perfektes Potpourri aus Pop, Punk, Prog, Pomp und Pathos.

Schon ihre Musik sprengt jeden Rahmen: Sie kombiniert mühelos massentaugliche Melodien, kunstvolle Kompositionen und gnadenloses Gebretter. So wandelt sich etwa ein Song wie „The Globalist“ von einem Italo-Western-Soundtrack über wüstes Industrial-Geknüppel zu einer Feuerzeug-Pianoballade. In der ausverkauften Olympiahalle servieren Muse ihre energiestrotzenden Endzeitvisionen mit gewohnt wilder Inbrunst und apokalyptischer Wucht.

Dabei agieren sie erfreulich nah an den Fans: in der Mitte der Arena, auf einer drehbaren Rundbühne, von der aus zwei jeweils 40 Meter lange Stege zu zwei weiteren Plateaus führen. Der beinharte Bass von Chris Wolstenholme und das schweißtreibende Schlagzeug von Dominic Howard bilden das Fundament für die rasiermesserscharfen Riffs und superben Soli von Gitarrist und Mastermind Matthew Bellamy. Rastlos wuselt die schmächtige Rampensau über die Riesenbühne; ans Piano setzt sich der 37-Jährige nur noch selten, doch als Sänger steigert sich Bellamy nach wie vor in jeden Song hinein wie ein verzweifelter Engel – und schraubt dabei seine klare, kräftige, klagende Stimme ein ums andere Mal in himmlische Höhen.

Nach dem Motto „Mehr ist mehr“ gibt es aber nicht nur was auf die Ohren, sondern auch ordentlich was auf die Augen: Zusätzlich zu einer opulenten Lichtshow werden spektakuläre Bilder auf eine 360-Grad-Leinwand und auf imposante, hallenhohe Gazevorhänge projiziert. Dabei gelingen einige starke surreale Szenen – etwa bei „The Handler“, wenn passend zum Liedtext die Musiker an monströsen Marionettenfäden zu hängen scheinen, die von gewaltigen Händen gelenkt werden. Damit nicht genug: Immer wieder kreisen mächtige ferngesteuerte Kugeln durch die Halle, die mal wie Planeten im All wirken, mal wie furchterregende Drohnen, entsprechend dem Thema des Muse-Konzeptalbums „Drones“. Dröhnen und Drohnen – Drama, Baby, Drama!

Keine kollektive Ekstase

All diesem brillanten Bombast zum Trotz kommt es diesmal, anders als bei früheren Münchner Konzerten der Band, nicht zur kollektiven Ekstase: Die meisten Tribünengäste bleiben auf ihren Plätzen sitzen. Ist es Erschöpfung durch audiovisuellen Overkill? Liegt es an der überraschungsarmen Setliste? Oder daran, dass Muse seit Jahren auf hohem Niveau stagnieren und sich zu sehr auf bewährte Strickmuster verlassen? Vielleicht wäre es ja Zeit für ein paar frische musikalische Impulse...

Marco Schmidt 

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