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Das Museum Fünf Kontinente an der Münchner Maximilianstraße.

Nachruf auf Christine Kron

Das Museum Fünf Kontinente trauert um seine Direktorin

München - Das Museum Fünf Kontinente in München trauert um seine Direktorin Christine Kron. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb die Historikerin und Ethnologin bereits am Freitag nach kurzer, schwerer Krankheit. Kron übernahm 2011 die Leitung des Staatlichen Museums für Völkerkunde, das 2014 umbenannt wurde. 

Christine Kron

Sie wollte aufrütteln und aufwecken und brisante politische und gesellschaftliche Themen der Welt im Münchner Museum Fünf Kontinente diskutieren. Dazu blieben Dr. Christine Kron nur knappe sechs Jahre: Am Freitag starb die Direktorin des Münchner Hauses nach kurzer und schwerer Krankheit. Dass das erst am heutigen Dienstag offiziell bekannt gegeben wurde, zeugt davon, dass der Tod der Chefin das ganze Haus in eine Art Schockstarre versetzte. Sie wurde völlig unerwartet mitten aus einem extrem aktiven und engagierten Leben gerissen.

Der neue Name des Museums sollte ein Zeichen sein

Seit ihrem Dienstantritt in München am 1. April 2011 kämpfte sie für ein besseres Image des damaligen Völkerkundemuseums, das mit der neuen Namensgebung unter ihrer Regie im Jahr 2014 auch ein Zeichen setzte: „Für uns geht es auch um den Bezug zur Gegenwart, ob das politische Probleme sind, ob das die Kunstszene ist. Ich möchte politischer werden – und provozierender in den Ausstellungen und Themen.“ Dieses Vorhaben, das sie seinerzeit in einem Interview mit dem „Münchner Merkur“ ankündigte, setzte sie erfolgreich um: Sie ließ Abteilungen umstrukturieren, eine neue Internet-Präsenz aufbauen, neue Vermittlungskonzepte erarbeiten. Mutig holte sie – neben prunkvollen Sammlungen – auch ebenso kritische wie hervorragend aufbereitete Präsentation wie „Letzte Ölung Nigerdelta“ (2012) oder „Un/Sichtbar. Frauen überleben Säure“ (2014) ins Haus. Didaktische Maxime war die Spiegelung der eigenen Realität im Vergleich mit anderen Kulturen. Zuletzt waren es auch Programme für Geflüchtete, mit denen sich das Museum gesellschaftspolitisch engagierte und den interkulturellen Dialog förderte. Abgesehen davon galt auch Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe ihr Augenmerk. 

Nach Stationen in Paris, Berlin, Oxford und Frankfurt/Main kam sie nach München

Viel Enthusiasmus und ein völlig unhierarchisches, kollegiales Auftreten einerseits, hohe Ansprüche an sich selbst und ihr Umfeld andrerseits waren die Markenzeichen der Historikerin und Ethnologin, die am 7. März 1962 als Christine Stelzig in Rosenheim geboren wurde. Sie studierte Ethnologie, Neuere und Neueste Geschichte sowie Psychologie in München, Paris und Leipzig und promovierte über die Geschichte der Afrikasammlung des Berliner Völkerkundemuseums zwischen 1873 und 1919. Sie etablierte sich durch ihre wissenschaftliche Mitarbeit bei zahlreichen Ausstellungsprojekten. Nach Museumsstationen in Paris, Berlin, Oxford und als Vize-Direktorin des Museums der Weltkulturen in Frankfurt am Main übernahm sie schließlich die Leitung des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München.

Freia Oliv

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