Museum, das keine Patina ansetzt

- In den Chroniken zur zwei Jahrtausende umfassenden Geschichte Regensburgs soll künftig der Juli 2006 als weiterer Höhepunkt vermerkt werden. Denn von diesem Samstag an beraten in Vilnius die Experten der Unesco darüber, ob die Regensburger Altstadt künftig als Weltkulturerbe firmieren darf. Bislang gibt es in Deutschland 31 Denkmäler, die den begehrten Titel tragen dürfen. Bereits seit rund 20 Jahren bemüht sich die Donaustadt um das Prädikat.

Doch nach der Wiedervereinigung wurden ostdeutsche Projekte gegenüber denen aus dem Westen bevorzugt. Erst 1998 wurden die Pläne wieder konkret, als die deutschen Kultusminister den historischen Kern Regensburgs auf die Liste der in den nächsten Jahren bei der Unesco anzumeldenden Kulturgüter setzten.

Die Unesco entscheidet Mitte Juli

Die Aufnahme auf die Welterbeliste ist nicht nur eine langwierige, sondern mittlerweile auch eine schwierige Angelegenheit. Ob Regensburg tatsächlich bei der bis 16. Juli dauernden Sitzung in Litauen als einziger Kandidat aus der Bundesrepublik das begehrte Prädikat erhält, ist noch völlig offen. Die Zeiten, in denen die von den Mitgliedstaaten vorgeschlagen Denkmäler von der Unesco "durchgewunken" wurden, sind längst vorbei. "Das Welterbekomitee zieht die Zügel an und legt die Latte höher", sagt auch die deutsche Welterbe-Delegierte Birgitta Ringbeck. Europa sei auf der Liste bereits gut vertreten und werde daher umso strenger behandelt.

Dies hatten zuletzt bereits andere Vorschläge aus der Bundesrepublik zu spüren bekommen. So wurde 2005 die Bewerbung Heidelbergs abgelehnt, zuvor war das Bremer Rathaus erst im zweiten Anlauf vom Komitee angenommen worden.

Dennoch hat Regensburgs Rathauschef Hans Schaidinger (CSU) grundsätzlich keinen Zweifel daran, dass der historische Kern der Donaustadt die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Unesco-Liste erfüllt. Der Kommunalpolitiker setzt auf die Qualität der rund 3000 Seiten starken Bewerbungsschrift, in der der gotische Dom, die 860 Jahre alte Steinerne Brücke und die etwa 1400 anderen denkmalgeschützten Bauten Regensburgs detailliert vorgestellt werden.

Nach außen will sich Regensburg nicht nur als ein riesiges Museum präsentieren. Für viele Menschen ist die Stadt ein Musterbeispiel dafür, dass ein historischer Ort nicht automatisch Patina ansetzen muss. In den Sommermonaten wirkt Regensburg südländisch, Open-Air-Konzerte locken dann an fast jedem Wochenende Tausende Menschen an. Die Verbindung von jungem Leben in alten Mauern fasziniert viele Einwohner und Besucher. Die Ausstrahlung der Stadt wird auch vom OB betont. "Regensburg verbindet auf äußerst reizvolle Art Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft." Ulf Vogler

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