Austellung

MAM-Mann in München

München - Das Museum Villa Stuck präsentiert „Die Sammlung Gunter Sachs – Von Max Ernst bis Andy Warhol“

Ein vergrößertes Foto zeigt es. Der Besucher der Villa Stuck sieht darauf eine etwas heruntergekommene Einfahrt mit vielen Schildern: Villa Stuck, diverse Galerien, Jugendstilverein – und: Modern Art Museum. Dieses MAM hatte Gunter Sachs 1967 in München mit Freunden gegründet und präsentierte dort als Erstes eine Schau mit Werken aus seiner Sammlung. Jetzt, nach so vielen Jahrzehnten, können wir das in der schön renovierten Villa (wieder-)erleben, was den legendären Playboy so sehr an Kunst faszinierte. Für das München der späten 60er- und frühen 70er-Jahre bedeutete das Engagement der Kunstspürnase, dass die (damaligen) zeitgenössischen Arbeiten endlich verstärkt präsent waren. Aus einem eigenen Bau fürs MAM wurde nichts, und es verschwand 1972 von der Bildfläche.

Gunter Sachs hatte schon als 16-jähriger Bursche angefangen zu sammeln. Mit Leidenschaft führte er das fort, als er in Paris und New York viele Künstler kennenlernte. Zwischen 1958 und ’68 wuchs das Herz seiner Kollektion heran. Nach seinem Freitod 2011 behielt die Familie von den Stücken, was den Einzelnen am liebsten war, erzählt Sohn Rolf (aus erster Ehe) bei der Vorbesichtigung. Das Übrige – Kunstgegenstände, Interieur – habe man versteigern lassen; in irgendeinem Lager sollten sie nicht dahindämmern. Man freue sich über die Ausstellung, die anschließend nach Schweinfurt gehe, dem ursprünglichen Sitz der Fabrikantenfamilie.

Die Kuratoren Roland Wenninger und Michael Buhrs (Museumschef) geben schon im Parterre des Ateliertrakts einen Überblick über Sachs’ Vorlieben. Zunächst aber begrüßt der einstige Münchner MAM-Mann in einem typischen Warhol-Porträt (Siebdruck nach einem Foto; siehe Abbildung) den Betrachter; wie überhaupt in der Schau immer wieder Gunter Sachs präsent ist, wie ihn die Künstler oder Fotografen sahen – eine hübsche Idee. Auch seine damalige Frau Brigitte Bardot ist „anwesend“.

Noch mehr über den steinreichen Mann berichten jedoch die Arbeiten, die er liebte. Da ist zunächst der Surrealismus mit dem Höhepunkt der „Colère des dieux“ (siehe Abbildung) von René Magritte. Die Relativität von Tempo wurde wohl nie besser verspottet. Aber auch Max Ernst, zwei schwache Dalís oder de Chirico finden sich – und eine Assemblage von Kurt Schwitters. Diese feinfarbige Kombination aus Bild und Relief, Konstruktion und Zufallsfund fungiert als elegante Überleitung zu den Nouveaux Réalistes, die gern mit Dingen aus dem Alltag spielten, und zur Pop Art, die ebenfalls das Banale im Blick hatte. In der Schnittmenge thront Mimmo Rotellas „Cleopatra“. Das Filmplakat mit Elizabeth Taylor ist einerseits poppig, als zerfieseltes Papierobjekt tendiert es andererseits zum Nouveau Réalisme. Der wird besonders vergnüglich durch ein „Fallenbild“ von Daniel Spoerri (siehe Foto) vertreten. Der verlassene, zum Bildobjekt gewordene Esstisch gibt Rätsel auf. Haben an ihm nun ältere Damen – Sammeltässchen! – Schokokuchen gegessen? Oder haben sich Weintrinker mit allerhand Magenschnäpsen – Minifläschchen! – die Kante gegeben? Ein seltsames Gelage. Übrigens laden auch die scheinbar verkopften Konzepte von Günther Uecker und Joseph Kosuth zum Schmunzeln ein; Pistolettos Küssende sowieso. Hier ein geometrisches Schattenspiel, dort ein Quiz für Surrealismus-Kenner.

Gunter Sachs liebte nicht nur solche Knaller. Die andere wichtige Gruppierung der Zeit, „Informel“ genannt, mit ihrer ungegenständlichen, gestischen Malerei zwischen Kalligrafie und Wut-Furioso ist insbesondere in Jean Fautrier vorhanden. Sachs – der Poetische; und einer, der der Linie nachspürt. Später wird er sich konsequenterweise den Graffiti zuwenden.

Ergänzt wird das Sachs-Panorama von einer Foto-Auswahl und Gerhard Graubners tollem Nebelraum – ein Ort für Mutige...

Von Simone Dattenberger

Bis 20. Januar 2013

Di.-So. ab 11 Uhr; Prinzregentenstraße 60; Katalog, Hirmer Verlag: 24,90 Euro.

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