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Das Museumsdepot der Landeshauptstadt München mit seinen Schaufensterfronten.

Bauprojekt

Museumsdepot: Ein Kraftakt für die Kultur

München - 10.000 Quadratmeter auf fünf Etagen: Das neue Museumsdepot der Stadt München im Freimanner Hölzl

Verschämt hängt da eine selbstgezeichnete Karikatur an der Wand, geschwind an einem Röhrl befestigt: ein grauslicher Löwe hinter Gittern und davor ein stattlicher Mann mit einem Schleckeis, der zu dem Raubtier sagt: „Mogst a Eis?“ Mit Pfeilen werden die Akteure benannt: Schenker (Transportfirma) als Viech und das Stadtmuseum als Bayer.

So sieht's aus im neuen Museumsdepot

So sieht's aus im neuen Museumsdepot

Dieses Werklein gehört zu dem neuen Museumsdepot der Stadt München, gehört aber natürlich nicht als wertvolles Gut hinein. Auf verschmitzte Weise sagt es jedoch viel darüber aus, was Kulturreferent Hans-Georg Küppers bei der Einweihungsrede „Kraftakt“ nennt. Und was die Konservatoren und Restauratoren von Stadtmuseum, Jüdischem Museum und von der Villa Stuck seit neun Monaten umtreibt: der Umzug von zweieinhalb Millionen Objekten aus mehreren Depots in das neue Lager im Freimanner Hölzl.

Oberbürgermeister Christian Ude freut sich derweil nicht nur über die Optik des Baus der Münchner Architekten Schmidt-Schicketanz und Partner, sondern auch darüber, dass er dem Staat hinreiben kann: München baut für die Kultur („Gedächtnis der Stadt“), die Regierung redet nur darüber, sprich: über den Konzertsaal. Noch mehr strahlt Baureferentin Rosemarie Hingerl, denn die Bauzeit betrug bloß 18 Monate, und die veranschlagten Kosten von 24,5 Millionen Euro wurden um 3,3 Millionen unterschritten. Eine beachtliche Leistung für ein Gebäude von 10 000 Quadratmetern auf fünf Etagen (zwei unterirdisch), das extrem ausgetüftelt sein muss, wie sie betont. Das beginnt bei der Anfahrtszone für Lastwagen in einem geschlossenen Hof (Sicherheit!), geht über Quarantäne- und Begasungsstationen (schließlich will kein Restaurator unliebsame „Untermieter“ in seinen Beständen) und endet bei der Kältekammer für Filme und Fotonegative tief im Keller. Das mächtige Quadrat ist von außen mit vielen kleinen, verzinnten Kupferschindel-Quadraten überzogen, bietet ergänzend Schaufenster, die auf das hehre Innenleben verweisen. Ein Labsal in diesem städtebaulich krassen Ödland.

Den meisten Depotraum beanspruchen die Sammlungen des Stadtmuseums. Allein die Schaustellerei zwischen zerlegten Karussellen, kompletter, großer Schießbude und Schaustellerwohnwagen (ein Leckerbissen) füllt Hallen. Ähnlich ist es bei den atemberaubenden Möbeln – insbesondere Jugendstil – oder dem üppigen Fundus an Puppentheater-Zubehör, über dem übrigens ein Himmel voller Lüster schwebt. Da müssen einem ja die besten Ausstellungsideen kommen! Noch vielfältiger, aber Platz-bescheidener ist die berühmte Modesammlung vom Brautkleid bis zur Tracht, von der NS-Uniform bis zum Hut.

Im Übrigen wird nach und nach jedes Objekt in all den maßgeschneiderten Kompaktregalsystemen – eine Fahne ruht dort anders wie ein Säbel – per Barcode erfasst. Studienräume für Forscher und Ateliers für Restauratoren ergänzen das Platzangebot in dem Gebäude, das obendrein um 75 Prozent unter der Energiesparverordnung bleibt. Nach den frohen Gesichtern der Museumsleute zu urteilen, scheint dieses Depot ein rundum geglücktes Projekt zu sein.

Von Simone Dattenberger

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