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Das Stück beginnt mit der Nachricht von Evitas Tod Eine umstrittene Frau, die sich nahm, was sie wollte – und als „Führerin der Nation“ verehrt wurde. Emma Hatton als Evita.

Vorbericht zur Premiere am Deutschen Theater

„Evita“ will München verzaubern

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München - Das Musical „Evita“ gastiert im Deutschen Theater in München. Vor der Premiere haben wir Hauptdarstellerin Emma Hatton zum Gespräch getroffen. 

Es ist der Moment, auf den alle warten. Evita tritt in die Mitte des Balkons. Ihr weißes Kleid funkelt wie tausend Diamanten. Die blonde Frau blickt in die Menge und beginnt zu singen: „Don’t cry for me Argentina“. Für Emma Hatton in der Rolle der Präsidentengattin bedeutet dieses Lied Druck. „Es hat Kultstatus, die Erwartungen sind sehr hoch.“ Das Musical „Evita“ tourt gerade durch Großbritannien, von 11. bis 23. April ist das Ensemble im Münchner Deutschen Theater zu erleben.

„Don’t cry for me Argentina“ ist nicht Hattons Lieblingslied 

Hatton erfüllt die Erwartungen an dieses große Lied. Ihre weiche Stimme hat etwas leicht Raues, das sich erst am Höhepunkt unter die sonst glockenhellen Töne mischt. „Manchmal ist es furchteinflößend, und manchmal kann ich es wirklich genießen.“ Ihr Lieblingslied der Show wird es wohl trotzdem nicht, gesteht sie nach der Aufführung im New Wimbledon Theatre. Sie mag das energetische „Buenos Aires“ lieber, weil es die Persönlichkeit ihrer Rolle widerspiegle.

Die Musik kombiniert E-Gitarre mit  lateinamerikanischen Rhythmen

„Evita“ erzählt die Geschichte von Eva María Duarte de Perón, die 1946 „Primera Dama“, also First Lady, in Argentinien wurde. Sie war eine umstrittene Frau, die sich nahm, was sie wollte, aber vom Volk als „Führerin der Nation“ geliebt wurde. Das Musical beginnt mit der Nachricht von ihrem Tod – Evita starb mit 33 Jahren an Krebs. Das Volk und Juan Perón (Kevin Stephen-Jones) trauern. Nur Che, gespielt von Gian Marco Schiaretti, beobachtet das Brimborium kritisch, das um die Frau gemacht wird, und blickt als Außenstehender auf Evitas Leben zurück. Die Handlung, die in 27 Liedern erzählt wird, ist dicht und das politische Thema gewichtig – ungewöhnlich für ein Musical. In Großbritannien ist das Stück dennoch beliebt. „Die meisten Zuschauer kommen wegen der Liebesgeschichte und der ausdrucksstarken Musik“, sagt Stephen-Jones, der zuletzt in „Cats“ zu sehen war. Die Partitur kombiniert Opernähnliches mit rockiger E-Gitarre und lateinamerikanischen Rhythmen.

Hatton wurde als „Wicked“-Hexe bekannt

Eva, so erfährt man hier, weiß Männer um den Finger zu wickeln. Als junges Mädchen vom Land überzeugt sie den Sänger Augustin Magaldi, sie mit in die Großstadt zu nehmen. Nach Magaldi nutzt Eva auch andere, um ein Star zu werden. Schließlich trifft sie Perón und geht mit ihm eine Bindung ein, die beiden nutzt. Er wird dank ihr Präsident. Erst am Sterbebett erkennt Evita, das ihr Mann sie wirklich liebt und nicht nur aus karrieretaktischen Gründen mit ihr zusammen ist. Ausgedrückt wird das in dem Song „You must love me“. Hatton, die als „Wicked“-Hexe bekannt wurde, legt dafür Tränen in ihre Singstimme. „Und manchmal weinen wir beide“, sagt Stephen-Jones. Die beiden Hauptdarsteller erleben die intensive Szene Abend für Abend anders. „Du kommst jedes Mal in einer anderen Stimmung auf die Bühne“, erklärt Emma Hatton. Regisseur Bob Tomson gibt ihnen die Freiheit, das für ihre Interpretation zu nutzen. „Das ist wichtig“, findet Stephen-Jones. Schließlich gehe es um Krebs – eine Krankheit, mit der viele Zuschauer in Berührung kommen. „Da ist es wichtig, dass es überzeugend ist.“

Evita kommt auf 20 Kostümwechsel

Es gibt aber auch emotionale Spannungen zwischen Eva und Che, dessen Rolle von Che Guevara inspiriert ist. „Ich bin die Stimme des Volkes und Evas Gewissen“, sagt Gian Marco Schiaretti. Der ehemalige Tarzan-Darsteller steht in jeder Szene auf der Bühne und damit immer im Fokus. Che trägt die Uniform des Freiheitskämpfers, Perón hat drei Anzüge und eine Uniform, Eva kommt hingegen auf 20 Kostümwechsel. Wie viel Zeit sie dafür hat? „Keine.“ Hatton lacht. In ein Kleid schlüpft sie sogar auf der Bühne – in vier Sekunden. Die verschiedenen Outfits zeigen die Entwicklung Evas vom braunhaarigen Mädchen im Sommerkleid zur blonden Präsidentengattin. „Eva war eben eine glamouröse, elegante Lady“, meint ihre Darstellerin.

Das Musical stammt von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice

„Evita“ wurde in den Siebzigerjahren von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice geschrieben. Vor zehn Jahren kam Regisseur Bob Tomson mit seiner Planung ins Büro von Lloyd Webber. „Er sagte Okay, und Rice zeigte seinen erhobenen Daumen.“ Tomson nahm trotzdem ein paar Änderungen vor. Als er Webber allerdings um vier Musiksekunden mehr für den Kostümwechsel auf der Bühne bat, sagte der Komponist Nein. Tomson lacht, als er sich daran erinnert. Für die Künstler ist „Evita“ aber nicht nur deswegen eine Herausforderung. „Musikalisch ist es sehr schwierig“, gesteht Stephen-Jones. Auch Emma Hatton kam manchmal nach den Proben verzweifelt nach Hause. „Das war schrecklich.“ Webber habe den Sängern zwar die Freiheit gegeben, die eigene Persönlichkeit in die Lieder einzuarbeiten. Aber: „Wenn etwas so schön geschrieben ist, kann ich es nicht besser machen.“

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