Die Liebe ändert alles: Belle (Mara Kekkovacs) und ihr verwunschener Prinz in Monstergestalt (Zsolt Homonnay). Foto: dpa

Das Musical als Operette

München - „Die Schöne und das Biest“ feiert Premiere im Deutschen Theater: zartschmelzende Melodien und k.u.k.-Nostalgie machen aus dem Disney-Musical eine Operette.

Doch, es gibt sie noch, die Bastionen, die ungerührt den Gezeiten der Geschichte trotzen. Das Budapester Operetten- und Musicaltheater etwa spielt und singt und tanzt, als hätte in Ungarn immer noch der Reichsverweser das Sagen oder zumindest ein Generalsekretär der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei. So gelingt es dem Ensemble im Deutschen Theater in München mühelos, selbst einen durch und durch amerikanischen Broadway-Erfolg wie „Die Schöne und das Biest“ wie die Fortsetzung der „Gräfin Mariza“ aussehen zu lassen: Das Disney-Musical wird quasi operettisiert, was zunächst einmal kein Schaden ist. Denn mit all dem rüschig-goldenen Pomp und leicht abgewetzten Ost-Charme hat das Stück um das schöne Mädchen und den verwunschenen Prinzen in Monstergestalt gewissen Reiz.

Bis zur Pause zumindest: Verschwenderisch werden Kulissen, Tänzer und Sänger über die Bühne geschoben, bis einem fast schwindelig wird. Dank der liebevoll gestalteten Kostüme sowie der sängerischen und tänzerischen Fertigkeiten der Akteure überzeugt das auch - wenn man sich in den Plüschteppich aus zartschmelzenden Melodien und k.u.k.-Nostalgie fallen lässt. Regisseur György Böhm inszeniert durchaus mit Schmiss und einigen guten Einfällen, die gerade durch den Mut zur altmodischen Opulenz frischer wirken als abgenudelte Musicalklischees.

Allerdings ist aus einem unerfindlichen Grund gerade dann die Luft raus, als man anfängt, echten Spaß mit diesem audiovisuellen Overkill zu haben: Das Finale wird mit einer gewissen Wurstigkeit abgespult und mehr als einmal möchte man an böswillige Satire denken, als sich etwa der Schurke im dramatischen Duell mit dem Biest sozusagen selbst verprügeln muss. Nicht zu reden von der Verwandlung des Biests in den Helden, als man unwillkürlich Hape Kerkeling unter der Maske vermutet. Er wäre vermutlich furchteinflößender gewesen als Zsolt Homonnay. Immerhin: Singen kann der Mann, ebenso wie der Rest des Ensembles, das zudem schauspielerisch und tänzerisch überzeugt. Man würde sie alle gerne wiedersehen - aber nicht unbedingt in dieser Inszenierung.

Weitere Vorstellungen bis zum 19. November; Telefon 089/ 54 81 81 81.

Von Zoran Gojic

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