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Die Musical-Studenten der Bayerischen Theaterakademie werden künftig ihre Abschlussarbeiten im Deutschen Theater präsentieren und sich so auf den Berufsalltag einstellen. Den Auftakt macht „Rent“, eine Bearbeitung von „La Bohème“.

Musical-Studenten zeigen ihre Abschlussarbeit „Rent“

München - Münchner Musicalfans, die „Rent“ im vergangenen Jahr bereits gesehen haben, werden sich die Bonus-Vorstellungen im Deutschen Theater wahrscheinlich längst dick im Kalender markiert haben.

Und wer es damals sträflicherweise verpasst hat, bekommt nun – zum Glück – eine neue Chance, das Kultstück in Stefan Hubers Erfolgsinszenierung endlich kennenzulernen. Wobei sich durchaus mehr als ein Besuch lohnen könnte.

Anna-Mari Takenaka gehört zur aktuellen Musical-Abschlussklasse. Diese wird im Wechsel mit den Akteuren aus dem vergangenen Jahr in „Rent“ zu sehen sein.

Denn für die erste Koproduktion zwischen Deutschem Theater und Bayerischer Theaterakademie sind zwei hoch motivierte Besetzungen aufgeboten, die im Wechsel die Bühne aufmischen wollen. Neben den jungen Darstellern, die bereits vor einem Jahr für Begeisterung gesorgt haben, darf nun nämlich auch der aktuelle Abschlussjahrgang des Musical-Studiengangs der Theaterakademie sein Talent unter Beweis stellen. Im Moment ist man für Jonathan Larsons rockige „La Bohème“-Neudeutung noch immer eifrig am Proben, gewöhnt sich langsam an die neue Bühne in Fröttmaning und feilt an letzten Details. Denn anders als bei manch geklonter Großproduktion, wird vom Regieteam die Kreativität des Einzelnen gefördert: Keiner muss hier aufs Komma genau die Interpretation des anderen kopieren. Stattdessen sorgen individuelle Charaktere für frischen Wind.

Sebastian Strehler etwa war schon bei der Premiere 2009 im Ensemble und wird nun für einen Teil der Vorstellungen zum Erzähler Mark befördert. „Es ist schon toll, wenn man mit Vorwissen in so ein komplexes Stück starten kann. Auch wenn es jetzt natürlich eine ganz andere Perspektive ist. Was die Sache aber vor allem spannend macht, ist, dass alle offen sind auch mal spontan was Neues zu versuchen.“

So wie es unter anderem Elissa Huber praktiziert, die als Teil ihrer Diplomprüfung zur schrillen Performance-Künstlerin Maureen aufrückt. Bei ihrer überdrehten Protest-Aktion kugeln sich bereits auf der Probe die ersten neugierigen Zaungäste, die sich vorsichtig in den dunklen Zuschauerraum geschlichen haben. „Wir haben bei der Vorbereitung lang darüber geredet, was so eine Performance eigentlich ausmacht und dann hieß es irgendwann: Schlag zu und leg los.“ Und dieser Anweisung scheint Elissa Huber nur zu gerne zu folgen. „Wie wir im Stück singen: Es zählt nur das Jetzt. Und deshalb will auch jeder von uns in jeder einzelnen Vorstellung sein Bestes geben. Da ist die Energie automatisch immer auf 120 Prozent.“

Karsten Kenzel und Thorsten Ritz (re.) waren bereits im vergangenen Jahr als Roger und Mark zu sehen.

Dass nun im Deutschen Theater gleich zwei Wochen auf diesem Niveau durchgespielt werden muss, bringt dazu noch einen extra Kick und ist gleichzeitig ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Diplom kommen wird. Ein Leben, wie es Thorsten Ritz und Karsten Kenzel, zwei der Protagonisten aus dem Vorjahr, nun seit knapp zwölf Monaten führen. „Draußen ist es einfach härter. Da ist es schon gut, wenn man nach zehn Auditions vielleicht mal einen Job bekommt. Und so ein Vertrag geht dann auch im besten Fall nur über eine Saison, bevor es wieder von vorne anfängt.“ Bereut hat Kenzel seine Berufswahl dennoch nicht. „Man muss eben den Moment genießen und darf nicht zu sehr an morgen denken. Und dieses fantastische Stück jetzt noch einmal spielen zu dürfen, ist einfach super, weil ich mich in diesem Jahr auch selbst besser kennengelernt habe und neue Seiten an mir und in der Figur finde.“

Das wird wohl überdreht, schrill – herrlich: Elissa Huber spielt in „Rent“ die Künstlerin Maureen.

Diese zweite Chance genießt auch Thorsten Ritz: „In vier Jahren Ausbildung kann man gar nicht alles lernen. Man muss ständig weiter an sich arbeiten. Da ist es ganz klar, dass man jetzt mit neuen Erfahrungen vieles ganz anders macht. Die Arbeit mit Stefan Huber war damals ein riesiger Glücksfall, weil alles gepasst hat. ,Rent‘ ist in Deutschland ja leider am Anfang ziemlich gefloppt. Wir waren die ersten, die damit einen richtigen Erfolg hatten – und hoffentlich jetzt wieder haben werden. Mal sehen, was das Publikum meint.“

Tobias Hell

„Rent“

läuft von 9. bis 25. April

im Deutschen Theater.

Telefon 089/ 55 23 44 44.

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