Musik für Hunde im Versuchslabor

- Theodor Adornos Einleitungssatz zur "Ästhetischen Theorie" lässt sich im Grunde auf alle Donaueschinger Musiktage anwenden. Doch in diesem Jahr hielt es das renommierte, international besetzte Avantgarde-Festival für besonders notwendig, mit dem Mitbegründer der Frankfurter Schule zu betonen, "dass nichts, was die Kunst betrifft, mehr selbstverständlich ist". "Hintergrund und Ereignis - Inversionen" lautete das Motto der dreitägigen Veranstaltung, die rund 10 000 Besucher in den Ostschwarzwald lockte. Den Schlusspunkt sollte das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter dessen Chef Sylvain Cambreling mit einem Konzert setzen.

<P>Mit dem Titel knüpften die Musiktage an die Erkenntnis des Avantgarde-Komponisten John Cage aus den 50er-Jahren an, dass eine Verkehrung des Verhältnisses von "Klang und Stille" - "Vordergrund und Hintergrund" - zwischen Wahrnehmung und dem, was jenseits der Wahrnehmung besteht, althergebrachtes Parameterdenken in Frage stellt.</P><P>Dass das "Versuchslabor" Donaueschingen den hohen, in seinen Programmen formulierten theoretischen Ansprüchen gleichwohl nicht immer Genüge leisten kann, zeigte sich auch an einigen Beiträgen. So wirkte die Eröffnungsperformance mit Vadim Karassikovs "Beyond the Boundary of Silence" wie eine ausgedehnte Nachahmung von Cages Klassiker "4/33": Die Musiker des Klangforums Wien verharrten in Spannungsposen vor dem Erzeugen des Tons, doch dieser blieb (weitgehend) aus; Ähnliches gilt für einen Beitrag aus dem Konzert "Musik für Hunde" von Rolf Julius' "Musik für eine weite Ebene", in deren monotonen elektronischen Soundtrack sich erst spät vereinzelte Zwischentöne mischten. Den Rahmen von bildender Kunst und Musik sprengte das Projekt von Georg Nussbaumer, "Von der Wiege bis zum Grab".</P><P>Der Zyklus wartete mit fünf Beiträgen in einer Mischung von Installation und Performance an so unterschiedlichen Orten wie der Donauquelle, den Toiletten der Donauhalle oder der Sporthalle einer Realschule auf: Im Mittelpunkt des Geschehens stand stets ein präparierter Konzertflügel. Daneben lockte die 48-Stunden-Aktion "wort für wort (geraum)" des Niederländers Antoine Beuger Besucher zu einer Simultanlesung.</P>

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