Musik ist ihre Droge

München - Margot Hielscher singt an diesem Sonntag unter dem Motto "...überwiegend heiter" in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof. Im Interview plauderte die Schauspielerin über Männer, Erfahrungen und Erlebnisse.

"Ich hasse das Wort ,Star. Es klingt so kalt." Deswegen hat Margot Hielscher das Star-Sein wohl auch nie angestrebt. Sie war vielmehr ­ eine Persönlichkeit. Hochgewachsen, apart-schön, wortgewitzt, charismatisch. Sie hatte die sportlich strenge Eleganz einer Katherine Hepburn, die sie selbst als "mein großes Vorbild" bezeichnet. Dass der Film sie gerne auf das Rollenfach Dame festlegte, war ihr überhaupt nicht recht. Aber die Hielscher war ja auch erfolgreich als Sängerin, ging gleich nach dem Krieg mit der 34-Mann-Kapelle "Gene Hammers" auf Tournee und nahm Hunderte von Schallplatten auf. Und wenn am Sonntag OB Christian Ude, nebenberuflich Kabarettist und Autor, aus seinen Büchern liest, wird sie, begleitet von Pianist Christoph Pauli und Band, "Frauen sind keine Engel" singen aus dem gleichnamigen Film von 1943 und viele andere nostalgieumflorte Lieder ihres Repertoires. Programmatisch heißt der Abend in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof "...überwiegend heiter."

Humor ist der seit 1943 in München lebenden Berlinerin immer wichtig gewesen. "Erika Köth", schwärmt sie von der großen Mozart-Interpretin, "war eine Meisterin im Witze-Erzählen. Ich kann Pointen besser in einer Zeichnung, in einer Karikatur festhalten." Die Musik und das Zeichnen seien ihre Lebenselixiere. "Das waren auch in der Schule die einzigen Fächer, in denen ich eine Eins hatte. Die Englisch-Note war auch nicht so schlecht ... aber nur, weil ich in den Lehrer verknallt war."

Für 48 versäumte Schulstunden ­ in einem halben Jahr! ­, von Schülerin Hielscher in zwei Berliner Kinos verbracht, schreibt der kulante Papa Entschuldigungen, fordert aber als Existenzbasis einen "anständigen Beruf". Also absolviert sie parallel zur Schauspielausbildung die Textil- und Modeschule. Wie findet sie die heutige Mode? "Ein bisschen verwirrt, die Röcke viel zu kurz, wie Unterwäsche. Stil ist doch, dass da noch ein Geheimnis bleibt. Die Frauen sind sich ihrer selbst nicht sicher, lassen sich von den Designern anziehen. Und die heutigen Schnitte ähneln sich, stellen nicht mehr die Persönlichkeit der Trägerin heraus." Hielschers "persönliches Markenzeichen" war das Kostüm, auch mal mit Krawatte. Damit wirkte sie erotischer als die spärlich verhüllten heutigen Filmdiven.

An Verehrern, von Heinz Rühmann über Hans Albers bis zu all den Musikgrößen mit denen sie sang, ob Duke Ellington, Nat King Cole oder Leonard Bernstein, fehlte es nicht. Und da war ja auch Gene Hammers, GI und Bandleader, der für sie Shows arrangierte. Warum ging sie damals nicht mit ihm nach Amerika? "Dann hätte ich ihn ja heiraten müssen! Soweit ging die Liebe nicht." Und auch Filmkomponist Friedrich Meyer wurde erst mal auf Abstand gehalten: "Ich war ihm ja schon mal früher begegnet und, na ja, er war, was man heute einen ,Womanizer nennt. Als Franz Grothe dann die Musik für ,Hallo Fräulein schreiben sollte, und sie mit ,det is ja Jatz, det können andere besser abwimmelte, kam Meyer. Und ich wurde schwach, als ich seine Musik hörte." Nach zehnjährigem Verlöbnis wird 1959 geheiratet.

Die Musik, ihre "Droge", verhilft ihr 1943 auch zu einer Rolle in dem Film "Reise in die Vergangenheit". "Weil ich da eine Konzertpianistin spielen musste. Ich hatte meine pianistische Ausbildung immerhin noch mit Prüfung bei Rudolf Serkin abgeschlossen." Aber um solche Charakterrollen musste sie immer kämpfen: "Hans Werner Geißendörfer wollte für die Karoline Stöhr in seinem 1981 gedrehten ,Zauberberg eine Figur wie die Clementine aus der Ariel-Reklame, eine füllige Blondine!" Aber Margot Hielscher boxte sich durch.

Eine Nervenprobe auch ihr Schauspieleinstieg. "Ich hatte fürs Vorsprechen bei Gustaf Gründgens etwas aus ,Dantons Tod, die Eliza aus Shaws ,Pygmalion und die ,Kameliendame vorbereitet. Das Hüsteln der Marguerite übte ich zu Hause sogar beim Geschirrspülen. Meine Mutter dachte schon, ich sei krank. Gründgens sagte am Ende nur: ,Sehr hübsch. Ihr Hüsteln war ausgezeichnet. Nichts über die anderen Rollen. Durchgefallen, dachte ich. Nach vier Wochen erst kam eine Postkarte mit dem ,Bestanden". Und Theater heute? "Überwiegend bin ich begeistert. Man kann nicht immer nur alles herunterreden. Ich finde sogar, dass die Begeisterung einen aufbaut." Jung in Herz und Verstand ist die Hielscher, Jahrgang 1919, geblieben. Wie? "Durch Disziplin. Das fängt an mit Pünktlichkeit. Und ich rede jeden, auch jemanden, den ich gerade erst kennenlerne, mit Namen an. Meine Neugier gegenüber Menschen wird so gleichzeitig zum Gedächtnistraining."

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