Die Musik der Machos

- Das 40-jährige Bestehen der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Rockband, der Rolling Stones, fand einen gewaltigen Niederschlag in diesem Buch des Amerikaners Stephen Davis. Es ist Chronique scandaleuse und Handbuch, eine Biografie wie ein Roman: Anders lässt sich dieser Stoff wohl nicht fassen. Das Romanhafte geht einerseits auf die Höhen und Tiefen der vier oder fünf Lebensläufe zurück; Protagonisten natürlich Mick Jagger und Keith Richards, die im Innersten Verschiedenen, dazu Charlie Watts, der Solide, Drummer und Jazzfreund.

<P>Romanhaft aber auch, weil man kaum glauben kann, wie Davis alle Einzelheiten _ Auftritte, Exzesse, Proben, Hotels _ so lückenlos erforschen und festhalten konnte. Und doch: Alles erscheint logisch _ so paradox das klingen mag _ und möglich, der hemmungslose Rauschgiftkonsum samt Drogen-Beschaffung, der Frauen verachtende und vernichtende Machismo, die Welt der Anita Pallenberg und der Marianne Faithfull; Uschi Obermeier nicht zu vergessen; 1973/75 Aufnahmen in Giorgio Moroders Musicland-Studios in München _ mit Billy Preston und Jeff Beck; Mick Taylor stieg aus, Ron Wood ein.</P><P>Das Ganze birgt aber auch eine Geschichte der Rockmusik, von den Vorbildern über die Weggenossen in die Gegenwart: Muddy Waters und Chuck Berry, Bob Dylan und die Beatles _ interessant, wie eng sie mit den Stones verbunden waren _, Jimi Hendrix und Tina Turner. Unglaublich, wie die Stones ohne grundlegenden stilistischen Wandel auch noch neben Prince, Michael Jackson, Madonna bestehen konnten und können. Die gegenseitigen Einflüsse und Anregungen auf und durch den Umgang mit anderen Gestalten der kulturellen Zeitgeschichte werden vielfach, wenn auch meist oberflächlich erwähnt: mit Truman Capote, William Burroughs, Andy Warhol, der europäischen Film-Avantgarde (Godard, Schlöndorff, Herzog). Und die Einbeziehung anderer musikalischer Welten: der "Weltmusik" aus Marokko und Jamaika, des Jazz (Sonny Rollins, Wayne Shorter). Dass Abschweifungen manchmal unscharf bleiben, ist bei der Inhaltsfülle nicht verwunderlich.</P><P>Alles in allem: eine Chronik von Leben und Werk der Stones mit einer zwar nicht analytischen, aber informativen Besprechung aller ihrer Titel, auch der Soloalben ihrer Mitglieder. Ein wenig überdimensional _ und damit zum Gegenstand des Buches passend.</P><P>Stephen Davis: "Die Stones". Deutsch von Helmut Dierlamm und Cäcilie Plieninger. Europa Verlag, Hamburg/ Wien. 688 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 28,90 Euro.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare