Musik für die Straße

- Das vielhornige Nashorn im Logo mag auf den ersten Blick in die Irre führen - in Zusammenhang mit dem Namen allemal: Ausgerechnet mit "piano possibile" (übersetzt: so leise wie möglich) würde man den Laut-Treter wohl nicht in Verbindung bringen. Doch die Spannung zwischen Bild und Wort scheint für "piano possibile" zum Konzept zu gehören. 1993 gegründet, hat sich das Münchner Ensemble rasch zu einer der profiliertesten Formationen im Bereich der Neuen Musik entwickelt:

Neben klassischer Avantgarde bilden Ur- und Erstaufführungen junger Komponisten einen Schwerpunkt der Arbeit, dazu Experimentelles, etwa Musik in U-Bahnhöfen oder dem Pater Noster im städtischen Hochhaus.<BR>An diesem Sonntag feiert "piano possibile" mit einem Festkonzert zehnten Geburtstag (Muffathalle, 17.30 Uhr). Was war die Motivation, das Ensemble aus der Taufe zu heben? "Ganz einfach die Begeisterung für Neue Musik und der Wunsch, mit ähnlich Gesinnten sie zu spielen", sagt Philipp Kolb, Gründungsmitglied und Trompeter. Allmählich wuchs die kleine Anfangsbesetzung mit Flöte, Klarinette, Trompete, Posaune, Cello und Klavier zu stattlichem Sinfonietta-Format - ohne Zwang, wie Komponist Klaus Schedl, ebenfalls bei der Gründung dabei, betont: "Wichtig war der Spaß an der Sache."<BR>Heute verfügt "piano possibile" über eine Stamm-Mannschaft aus Streichquartett plus Kontrabass sowie Holz- und Blechbläser; andere Instrumente wie Schlagzeug oder Harfe kommen bei Bedarf dazu. Viele Stücke wie Harrison Birtwistles rhythmisch vertracktes "Secret Theater", das im Jubiläumskonzert zu hören sein wird, fordern weit umfangreicheres und hingebungsvolleres Proben als "herkömmliche" Musik. Daneben bestreiten die Mitglieder noch alles Organisatorische in Eigenregie und sozusagen ehrenamtlich. Ein professionelles Management kann sich "piano possibile" nicht leisten, ebenso wenig wie einen festen Probenraum.<BR>Die Grundfinanzierung durchs Kulturreferat reicht aus, um ein bis zwei Konzerte pro Jahr zu veranstalten, Engagements an der Theaterakademie, bei der Münchener Biennale und immer mehr auch Sponsoren sorgen darüber hinaus für eine gewisse Planbarkeit. "Trotzdem wäre es für uns wichtig, weniger für einzelne Projekte, sondern davon unabhängig als Institution gefördert zu werden", wünscht sich Philipp Kolb. Über mangelnde Resonanz jedenfalls kann sich das Ensemble nicht beklagen: Gerade die Philosophie, die Neue Musik aus ihrem Elfenbeinturm im wahrsten Sinn des Wortes auf die Straße hinaustreten zu lassen, hat schon manchen Passanten für Unvertrautes interessiert.<BR>Auch am Sonntag etwa bietet Klaus Schedl wieder "Ich komponiere aus Ihrer Hand" - Assoziation zu Jahrmarkts-Gaukeleien ausdrücklich erwünscht: Gegen eine geringe Gebühr komponiert Schedl Besuchern anhand ihres individuellen Sprachmusters mit Hilfe einer speziellen Software ein eigenes kurzes Musikstück auf den Leib - das sogleich von einem Kammerensemble auf CD eingespielt und dem Kunden mitgegeben wird. Anderes wie ein Heino-Projekt sind noch in der Konzeption oder scheiterten, wie eine geplante Unterwassermusik mit dem Weltmeister im Freitauchen, an Bedenken der städtischen Bäder.<BR>Wer sich bei solchen Träumereien von einem Hauch selbstironischer Unernsthaftigkeit erfrischt sieht, liegt sicher richtig. Und wer unter diesem Gesichtspunkt das Logo noch mal genau anschaut, begreift: Dieses Nashorn wird auch künftig ganz Nashorn-untypisch grazil voranschreiten. Und es wird auch in Zukunft nicht umhinkommen, dabei zu schmunzeln.<BR>

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