Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger stirbt

Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger stirbt

Musik mit Wohlfühlgarantie

München - Der erste Gedanke ist: Schuld sind die Frauen. Weil sie diesen charmanten Schnauzbartträger nie und nimmer bluten sehen wollen. Oder aber es hat mit einer gewissen Grundbildung in Sachen Menschenrechte zu tun: Der fiese Smarty mag gemordet und gebrandschatzt haben ­- aber deshalb gleich die Todesstrafe...?

Münchner Gärtnerplatztheater: Hausherr Ulrich Peters inszenierte Aubers flotten "Fra Diavolo"

Im Premierenwahlgang ging die Sache jedenfalls ziemlich klar aus. Zwei Drittel votierten in der Pause fürs Davonkommen von Oberräuber Fra Diavolo, der sich hier gleich noch die schrille und willige Engländerin als Wegzehrung krallen darf. Jubel, Bussi, Prost und Vorhang.

Eine Abstimmung über den Ausgang der Oper, weil es zwei Final-Versionen gibt, das ist kein übler Einfall dieser Neuproduktion am Gärtnerplatz. Zumindest ein Stimmungsbringer. Der allerbeste Einfall von Intendant und Regisseur Ulrich Peters ist freilich, das Stück überhaupt anzusetzen. "Fra Diavolo" von Daniel-Franois-Esprit Auber, diese Melange aus Offenbach-Satire und Rossini-Schnurre, passt perfekt ins zweite Münchner Opernhaus. Ein Klangbaiser. Musik mit Wohlfühlgarantie. Jede Nummer gaukelt einen Hit vor ­ obgleich man sich nach Fallen des Vorhangs an kaum eine Melodie so recht erinnern mag. Eine Musik auch, die sich ständig von sich selbst und der im Grunde gerichtsmassigen Handlung zu distanzieren scheint. Vorausgesetzt natürlich, man trifft diesen Ton.

Und da beginnen schon die Probleme. Zumindest Dirigent Thomas Kalb und das Gärtnerplatzorchester waren auf dem besten Weg dahin. Krachert klang es nur, wo's die Partitur erlaubt. Ansonsten ließ Kalb die Musik funkeln, begleitete aufmerksam und pochte selten aufs Vorrecht des Grabens. Ein, zwei Vorstellungen mehr, und die paar hausunüblichen Koordinationsprobleme mit Solisten und Chor sollten ausgeräumt sein.

Der Witz des Hausherrn deckt sich indes weniger mit Aubers Vorgaben. Immerhin ließ Ulrich Peters seinen Bühnenbildner Herbert Buckmiller mit blau-weiß-roter Bühne die Heimat des Komponisten ausführlich zitieren. Ein lichter, freundlicher Schauplatz mit Magritte-Wölkchen und Krähen, die überdeutlich Unheil signalisieren. Was angesichts des übertourigen Personals kaum einer glauben mag: Mit routinierter Hand führt Peters die Figuren, kommt aber kaum über eine grelle Chargen-Schau (Kostüme: Götz Lanzelot Fischer) hinaus.

Gut Abgehangenes zwischen Augenrollen, Rampensingen, Kleiderschrank-Verstecken bis zum Zehentreten wird als Gag verkauft. Schauspieler Thomas Peters gibt den Conférencier und Wahlbegleiter. Die singenden Kollegen wuseln wie Offenbachs aufgezogene Olympia über die Bretter. Immer passiert etwas, das Auge kriegt genügend Futter. Alles sehr nett, weniges geht aber als kreative Pointe durch: Humor scheint Glückssache, wenn da eine delikate Komödie als Flachwitz-Feuerwerk verpufft.

Immerhin zeichnet sich ab, dass sich Ulrich Peters ein formidables Ensemble am Gärtnerplatz zusammenengagiert hat. Christina Gerstberger ist eine wunderbar herb-soubrettige Zerline, Rita Kapfhammer eine raumfüllend komische Pamela und Peter Sonn ein Tenor mit Weaner Gütesiegel, dem man an jedem nur denkbaren Operettenabend wiederbegegnen möchte. Der geschmeidige Tilmann Unger gestaltet die Titelrolle als Don Giovanni, der sich ins falsche Stück verirrt hat, singt mit breiter, fast heldischer Tongebung. Dass die Partie auf fast unlösbare Weise Kraft, Koloraturgewandtheit und Extremlagen verbindet, haben auch schon andere zu spüren bekommen.

Dank Regisseur Peters Stückeingriff erhält Unger im (bei Auber arg knappen) Finale noch einen großen ariosen Moment. Wie die Alternativversion zu Fra Diavolos Flucht aussieht, hätte man trotzdem gern gewusst. Dafür braucht's allerdings ein brutaler gelauntes Publikum als in der Premiere. Doch Vorsicht: Wer Urnengänge zulässt, weckt womöglich schlafende Hunde. Am Ende wählen sich die Besucher glatt eine andere Regie.

Die Besetzung

Dirigent: Thomas Kalb. Regie: Ulrich Peters. Bühne: Herbert Buckmiller. Kostüme: Götz Lanzelot Fischer. Chöre: Hans-Joachim Willrich. Darsteller: Tilmann Unger (Fra Diavolo), Daniel Fiolka (Lord Kookburn), Rita Kapfhammer (Pamela), Peter Sonn (Lorenzo), Christian Hübner (Matteo), Christina Gerstberger (Zerline), Mario Podrecnik (Beppo), Stefan Sevenich (Giacomo), Fritz Graas (Francesco).

Die Handlung

Wirtstochter Zerline soll einen reichen Bauern heiraten, liebt aber den mittellosen Offizier Lorenzo, der mit seinen Soldaten den Räuber Fra Diavolo sucht. Lord und Lady Kookburn sind von ihm und seinen Leuten überfallen worden. Im Gasthaus treffen sie auf den "Marquis von San Marco" alias Fra Diavolo, der sie komplett ausrauben will. Lorenzo vereitelt den Anschlag. Fra Diavolo, der dabei in Zerlines Zimmer ertappt wird, täuscht ein Rendezvous mit Zerline vor ­ vergeblich. Sie und Lorenzo stellen ihm eine Falle.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Draußen rattern Züge über die marode Brücke, drinnen spielen sich die fünf junge Münchner „The Whiskey Foundation“-Musiker den Blues, Rock und Soul der 60er Jahre aus …
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare