Musik-Monolith

- Verblüfft sei er gewesen, meinte Christian Thielemann einmal im Gespräch, wie viel ihm dieses Orchester anbiete. Da probte der Chef der Münchner Philharmoniker gerade Debussy - und konnte dabei auf das zurückgreifen, was sein Vorvorgänger in jahrelangen, minutiösen Proben erarbeitet hatte. Dass sich solches noch immer im Orchester "hält", dass es die Musiker unerschütterlich geprägt hat, ist ein weiterer Beweis für das singuläre Wirken von Sergiu Celibidache.

Vor zehn Jahren, am 14. August 1996, ist dieser große Künstler in seiner Wahlheimat südlich von Paris gestorben. Celibidache ragt aus der Dirigentengeschichte wie ein einsamer Monolith heraus. Nicht nur, weil er Platten hasste, in seiner Karriere wenige Orchester leitete und als streitbarer Guru unbeirrbar für seine Ideale kämpfte. Sondern vor allem, weil Celibidache der Interpretation etwas zurückgab, das in einer immer oberflächlicher werdenden, Event- und Star-verliebten Klassikwelt verschütt zu gehen drohte: musikalische Prinzipienfestigkeit.

". . . dabei lege ich den Nerv des modernen Musikbetriebes bloß mit seinen üblen Auswüchsen."

Sergiu Celibidache

Eine Celibidache-Interpretation ist noch heute sofort zu erkennen: natürlich die breiten Tempi (die er nicht immer wählte!), das Bemühen ums Detail, die so unvergleichlichen, aus einem balancierten Zustand sich erhebenden Steigerungen, eine perfekte klangliche Feinabstufung, vor allem das Gefühl, ein Werk entwickelt sich im Spielen und Anhören organisch weiter. Und der Eindruck, dass die Musik durch all dies etwas Einzigartiges erhält: Größe.

Auf den (1912) gebürtigen Rumänen wurde man erstmals aufmerksam, als er nach dem Zweiten Weltkrieg für fünf Jahre die Berliner Philharmoniker übernahm. Dass nicht er, sondern Herbert von Karajan Nachfolger Wilhelm Furtwänglers wurde, traf ihn tief. Nach engeren Bindungen an einige wenige Orchester wurde Celibidache 1979 schließlich an die Isar geholt. Hier fand er endlich seine Erfüllung.

Hier führte er die Münchner Philharmoniker zu einem Weltruhm, von dem sie noch heute zehren. Wer in diesen Konzerten Bruckner, Brahms, Tschaikowsky, Debussy, Ravel, Rimski-Korsakows "Sheherazade", Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" oder den ganz eigenen Witz einer Haydn-Symphonie von Celibidache gehört hat, der ist auf ewig "verdorben". Im Zentrum seiner Münchner Konzerte standen immer wieder die Symphonien Anton Bruckners, die letzte vollendete, die achte, nahm dabei eine fast magische Position ein - egal ob sie Celi im Herkulessaal, in der Lukas-Kirche oder im Gasteig aufführte.

Dass sein langjähriger Schüler Mark Mast nun diese Achte zu Celibidaches zehntem Todestag aufführt, zeugt von großer Ehrerbietung, aber auch von Mut. Mast dirigiert am kommenden Montag, 20 Uhr, im Herkulessaal seine Junge Münchner Philharmonie. Vor der Achten erklingt Celibidaches Komposition "Der Taschengarten", bei der noch das Henschel-Quartett mitwirkt - und die erstmals in einem öffentlichen Konzert gespielt wird.

Karten: 089/ 54 81 81 81.

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