Musizierfreude pur

- Außergewöhnlich, spontan, die Grenzen überschreitend spielten Bobby McFerrin und Chick Corea im Rahmen des Münchner Klaviersommers in der Philharmonie. Es war Musizierfreude pur für das Publikum und auch für die beiden Weltstars. Insbesondere McFerrin zog mit einem Stimmspektrum von Sopran bis Bass, mit einem faszinierenden Facettenreichtum in punkto Modulation sowie gesegnet mit der Gabe, ein ganzes Orchester entstehen zu lassen, die Zuhörer in Bann. Er macht dies allein mit seiner Stimme, seinen Brustkorb nutzt er als Perkussion-Instrument.

<P>Neben dem Stimmakrobaten McFerrin verblasste Chick Corea ein wenig mit seinem Flügel, denn gerade die Vielfältigkeit McFerrins ließ die Behäbigkeit des Tasteninstruments spürbar werden, obwohl Chick Corea die gemeinsamen Improvisationen über Jazz-Standards mit der für ihn typischen, leicht perlenden Tongebung spielte. Mit seinem Solopart, unter anderem mit der verjazzten Version einer frühen Skrjabin-Komposition "with the romantic titel", wie er scherzhaft anmerkte, Prélude op. 11 Nr. 4, bewies Chick Corea seine Souveränität.</P><P><BR>Was das Konzert zu einer einmaligen Veranstaltung machte, war der interaktive Teil des Abends, insbesondere für das Publikum auf den sonst eher undankbaren Podiumsplätzen. Bei McFerrins Ausstrahlung und Animation brauchte es nicht lange, um die Schüchternheit zu überwinden. Gesteigert wurde dies noch, als er um die Mitarbeit von Sängern aus dem Zuschauerraum bat. In kürzester Zeit hatte er ein 26-köpfiges, vitales und gesanglich flexibles Vokalensemble aller Stimmlagen beisammen, das so gut mit ihm harmonierte, als wäre das kein Zufallsprodukt, sondern zuvor geprobt worden. Wird nicht irgendwo in München gerade ein Chordirigent gesucht?</P><P><BR>Nach einer drei- und vierhändigen, Laokoongruppenähnlichen Klavierimprovisation der befreundeten Musiker und McFerrins phänomenal dramatischer Gestaltung eines kleinen Opernaktes gab's Zugaben und Standing Ovations.<BR><BR></P>

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