Da muss man sich anschnallen

- Erstens: Sie wollte sich auf keinen Fall bewerben. Zweitens: Das Stück müsste Musik enthalten. Mit Liebe zu tun haben. Bayerisch gesprochen werden. Und an einem Privattheater herauskommen. Diese fünf Bedingungen schrieb Claudia Wipplinger auf einen Zettel, als ihr nahe gelegt wurde, wieder Theater zu spielen. Eilig hatte es die ehemalige Schauspielerin des Münchner Volkstheaters also nicht, nach vier Jahren Pause wieder ein Engagement zu finden.

<P>Es fehlte ihr einfach nicht, während sie ihre Tochter aufzog, die sie mit ihrem Mann, dem Regisseur und Autor Hanns Christian Müller, hat. Als aber Kurt Weinzierl sie bat, bei seiner Inszenierung des "Hias" von Anne Faber in der Kleinen Komödie am Max II mitzumachen , gab's kein Gegenargument mehr. Morgen ist Premiere.</P><P>Von Eingewöhnungsschwierigkeiten auf der Bühne keine Spur: "Es geht so gut wie früher. Lampenfieber habe ich keins, eher so eine große Freude." Die Linzerin mit dem charmanten Puppengesicht gerät ins Schwärmen: "Ein Stück, gerade wie für mich geschrieben. Das großartigste Volkstheater überhaupt. . ." Was auch daran liege, dass der Münchner Jazztrompeter Johannes Faber, der neben seiner Schwester Veronika Faber in dem Stück der Mutter spielt, fabelhaft musiziere: "Da muss man sich anschnallen als weibliches Wesen", raunt sie.</P><P>In der Wilderer-Ballade, die 1998 im Zerwirkgewölbe des Gärtnerplatztheaters uraufgeführt wurde, gibt Wipplinger die Moni: eine Frau, die den Wilderer Hias liebt und sich in die Gegenseite, den Jäger, leider auch verguckt. Bayerisch kann die am Ammersee lebende Österreicherin inzwischen gut. Aber nicht jede Ausprägung mag sie: "Das ,linke Bayerisch ist herzlicher, witziger, wärmer und klingt schöner."</P><P>Nicht immer gingen Wipplingers Wünsche in Erfüllung, wenn sie sie auf einen Zettel schrieb. Doch beworben hat sie sich wirklich fast nie. "Claudia, machst Du mir die Braut", mimt sie belustigt, in tiefem, geräuspertem Hochdeutsch jenen Kollegen, der sie um Unterstützung bat beim Vorsprechen bei der damals neuen Intendantin Ruth Drexel am Volkstheater. Sie tat ihm den Gefallen - und wurde sofort engagiert. "So lieb gehabt" fühlte sie sich dort, auch vom Publikum. Als das Volkstheater unter Hanns Christian Müllers Leitung dann in die Krise geriet und die gemeinsame Tochter auch noch vier Monate zu früh auf die Welt kam, da "hat es mich schier zerrissen". </P><P>Im Nachhinein sei sie dankbar, dass es so lief und beide sich vom Volkstheater zurückzogen: "Ich bin ein Mensch, der aus dem Gefühl und der Liebe heraus agiert. Und ich hatte ein krankes Kind zuhause." Jetzt ist die Tochter gesund und groß genug, dass die 41-Jährige wieder von künftigen Bühnenrollen träumen mag: "Die Polly in der ,Dreigroschenoper würde ich gerne noch einmal spielen, und unser Johannes Faber müsste der Mackie Messer sein. . ."</P><P>Karten unter 089/ 22 18 59.</P>

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