Ich musste praktisch nichts tun

- Wenn sie zum ersten Mal auf der Leinwand erscheint, läuft einem wirklich ein leichter Gruselschauer über den Rücken: Corinna Harfouch ist in der Rolle der bösen Hexe Rabia wirklich unheimlich. Das bleich geschminkte Gesicht, die furchterregend aufgetürmten schwarzen Haare und vor allem der eisige Gefrierfach-Blick. Corinna Harfouch ist in dem neuen Kinderfilm "Bibi Blocksberg" von Hermine Huntgeburth die Inkarnation des Bösen.Eigentlich ein Wunder. Denn egal ob unter Heiner Müllers Regie als Lady Macbeth an der Berliner Volksbühne oder als Hausfrau mit kompliziertem Innenleben im Film "Solo für Klarinette", in der ZDF-Vorabendserie "Unser Lehrer Doktor Specht" oder als couragierte Frau während der Nazi-Zeit in "Die Schauspielerin": Corinna Harfouch ist jedes Mal praktisch zu 200 Prozent die Rolle, die sie gerade verkörpert.

<P>Dreharbeiten mit Kindern gelten oft als schwierig . . .</P><P>Harfouch: Das war überhaupt nicht so. Die beiden Kinder, Sidonie von Krosigk und Max Befort, waren ganz außergewöhnlich, und das Zusammenspiel mit ihnen war wie mit erwachsenen Kollegen. Die Professionalität der beiden war fast schon eigenartig.</P><P>Bereitet man sich auf einen Film für Kinder anders vor als auf einen für Erwachsene?</P><P>Harfouch: Ja. Die Figuren müssen ganz eindeutige Charaktere haben. Es gibt den Guten und den Bösen, und du kannst nicht aus vielen Facetten eine komplexe Figur bauen, wie man es ansonsten tun würde. Meine Rolle der Rabia ist eben eine böse, und das Böse hat immer eine Funktion im Kinderfilm, deshalb muss es auch wirklich schaurig sein.</P><P>Welche Funktion?</P><P>Harfouch: Das Böse muss so sein, dass sich die Kinder gruseln. Es muss sich dann aber auch lächerlich machen und schließlich besiegt werden. Das ist die Befreiung, und dann kann man endlich auch über den Bösen lachen. Das sind ganz simple und trotzdem wichtige Dinge, aber deswegen darf man in der Darstellung nicht unraffiniert werden.</P><P>Haben Sie ein paar Märchen gelesen, um sich einzustimmen?</P><P>Harfouch: Nein, die Rolle stand von dem Moment an, in dem ich meine erste Kostümprobe hatte. Diese fantastischen Kostüme und die wunderbare Maske setzen die Fantasie in Gang, da kann man gar nicht mehr anders. Das Aussehen zieht einen einfach auf eine bestimmte Bahn. Die Arbeit mit Hermine Huntgeburth, mit den Kindern, den Kostümen und der Maske, das ist mir so leicht gefallen und hat mir so einen Spaß gemacht, dass ich mich fast schon geschämt habe: Ich musste praktisch nichts tun und habe dafür auch noch Geld bekommen.</P><P>Dafür müssen Sie jetzt bluten, wenn Sie für "Bibi Blocksberg" Interviews geben. Eine Art der Beschäftigung, die Sie Gerüchten zufolge nicht sehr schätzen . . .</P><P>Harfouch (lacht): Ja, stellen Sie sich einfach mal die Situation mit vertauschten Rollen vor: Da kommen Leute, die Sie nicht kennen und befragen Sie zu Ihrem Privatleben oder was auch immer. Daran hat man nicht wirklich Spaß. Aber man lernt mit der Zeit, besser damit umzugehen. Trotzdem habe ich einfach keine Lust, auf dieselben Fragen immer wieder das Gleiche antworten zu müssen. Alle sagen: Erzähl' einfach irgendwas und scher dich eine Dreck drum, was nachher in der Zeitung steht. Aber das klappt irgendwie nicht.</P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare