Mythologisches mit Niki und Naomi

- "Götterdonner über Hangar-7" oder "Promi-Event mit dem Feigenblatt Kunst": Mit derart spöttischen Reaktionen wurde das quittiert, was sich am Freitagabend als "Helikopter-Streichquartett" nebst anschließender "Taurus Flugshow" auf dem Salzburger Airport ereignet hat. Eine Mischung aus Festspiel- und Event-Kultur, die die musikalische Avantgarde an den Rand drängte, wie einige fanden.

<P>Im Mittelpunkt des rund 200 Millionen Euro teuren Projekts, das nur über einen Getränkehersteller zu finanzieren war, sollte Karlheinz Stockhausens Helikopter-Streichquartett stehen, das nun, mehr als zehn Jahre nach Fertigstellung, am ursprünglich geplanten Ort aufgeführt wurde. Quasi als "Wiedergutmachung" zum 75. Geburtstag des Komponisten.</P><P>Nach Angaben des Veranstalters sahen rund 10 000 Menschen vier Hubschrauber in den Himmel steigen. Das Spiel der Musiker wurde vom Komponisten mit den Rotor- und Fluggeräuschen zusammengemischt. Zu hören war eine Melange aus Tremolos, laut gezählten Einsätzen und Rotorenlärm. An die Aufführung schloss sich die Flugshow "Taurus Rubens" an. Mit dem Spektakel inklusive gigantischer Cocktail-Party wurde der neue Hangar-7 eröffnet, der ein Flugzeugmuseum beherbergt.</P><P>Stockhausen hatte das "Helikopter-Streichquartett" 1993 als Auftragswerk der Salzburger Festspiele geschrieben. Die Musiker des Stadler-Quartetts, alle Mitglieder des renommierten österreichischen Ensembles für Neue Musik, setzten die Kompositionen getrennt voneinander in den Black-Hawk-Hubschraubern um. Das Geschehen in den Cockpits wurde über Kamera und Mikrofone in den Hangar und auf den Vorplatz übertragen.</P><P>Im Anschluss zeigte ein Ensemble aus Tänzern, Autos, schweren Kränen und Flugzeugen die Flug-Show "Taurus Rubens" des Salzburger Künstlers Hubert Lepka. In 15 Bildern spannte sich in einer rund einstündigen Inszenierung ein Bilderbogen mit Motiven aus der griechischen Mythologie zwischen Himmel und Erde.</P><P>Unter den geladenen Gästen waren Prinz Albert von Monaco, Star-Model Naomi Campbell, Franz Beckenbauer, Niki Lauda sowie die Bestseller-Autorin Hera Lind nebst Gemahl. Die Einnahmen für den Spektakel-Abend, die der Veranstalter mit über 1,5 Millionen Euro angibt, sollen karitativen Zwecken zugeführt werden. Die Eintrittskarten kosteten, und das wiederum passte zum klassischen Festspiel-Geschehen einige Kilometer weiter, zwischen 30 und 500 Euro.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jansons zum Konzertsaal: „Ich bin noch nicht beruhigt“
Der Architektenwettbewerb ist entschieden, ab 2018 könnte gebaut werden. Doch wie soll das Münchner Konzerthaus geführt werden? Dirigent Mariss Jansons denkt an eine …
Jansons zum Konzertsaal: „Ich bin noch nicht beruhigt“
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Hisham Matar erzählt in „Die Rückkehr“ von seiner Heimat Libyen und von der Suche nach seinem Vater, der von Gaddafis Schergen entführt wurde. Dafür wird der Autor in …
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Zusammen mit seinem Bruder Angus gründete Malcolm Young 1973 AC/DC und schrieb Rockgeschichte. Jetzt ist der Gitarrist nach langer Krankheit im Alter von 64 Jahren …
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron
Trotz eines gebrochenen Beins tritt Marilyn Manson in der Münchner Zenithhalle auf. Dort bietet er seinen Fans eine kurze, aber wohl unvergessliche Show - bis die …
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron

Kommentare