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Michelle Pfeiffer

„Nach einem Film lasse ich mich gehen“

Schauspielerin Michelle Pfeiffer über ihre Schönheit, ihr Alter, ihre Disziplin und ihre neue Kino-Arbeit „Chérie“

Sie war für drei Oscars und fünf Golden Globes nominiert. Und sie hatte die schönsten Männer von Hollywood – von Al Pacino bis Robert Redford, von George Clooney über Harrison Ford bis Jack Nicholson und Bruce Willis. Dabei beherrscht Michelle Pfeiffer als Leinwand-Ikone das Kino-Spektrum perfekt: ob Kunst à la „Scarface“ oder Kommerz wie bei „Batman“. Mehr als zwanzig Jahre nach ihrer Zusammenarbeit bei „Gefährliche Liebschaften“ wurde die Pfeiffer nun erneut von Regisseur Stephen Frears engagiert. In der Roman-Verfilmung „Chérie“, die am Donnerstag in den Kinos startet, spielt die 51-Jährige eine wohlhabende Kurtisane, die sich am Ende ihrer Karriere tatsächlich verliebt.

Sie spielen in „Chérie“ eine Edelkurtisane im ausgehenden 19. Jahrhundert – hätten Sie gerne in dieser Zeit gelebt?

Nein, ich bin in der Gegenwart ziemlich zufrieden. Ich weiß zwar nicht, ob es in der überschaubaren Welt von damals vielleicht leichter gewesen ist, glücklich zu sein. Aber ich vermute, dass für uns Frauen das Leben heute viel einfacher ist als früher: Wir haben mehr Möglichkeiten und sehr viel mehr Freiheit.

Sie haben sich in letzter Zeit ziemlich rar gemacht auf der Leinwand – wie wurden Sie für diesen Film überzeugt?

Wer kann einem Angebot von Stephen Frears schon widerstehen? (Lacht.) Ich habe wirklich so schöne Erinnerungen an die Dreharbeiten von „Gefährliche Liebschaften“, dass ich eigentlich seit damals auf ein neues Projekt mit ihm gehofft habe.

„Gefährliche Liebschaften“ ist 21 Jahre her, wie hat sich das Filmgeschäft inzwischen verändert?

Damals wurden viel weniger Filme gedreht. Da gab es auf der einen Seite die Studios mit ihren großen Projekten. Und auf der anderen Seite gab es ein paar wenige Kunstfilme aus dem Independent-Sektor. Heute hat sich die Szene verändert, es entstehen mehr Filme, weil die Finanzierung inzwischen ganz anders funktioniert.

War Schönheit je ein Problem für Ihre Arbeit?

Es gab wohl schon ein paar Rollen, die ich wegen meinem Aussehen nicht bekommen habe – aber das geht allen Schauspielern so.

Gibt es in all den Filmen, die Sie gedreht haben, eine Szene, auf die Sie am meisten stolz sind?

Das kann ich nicht sagen, denn ich blicke nicht zurück und schaue mir meine alten Filme nicht mehr an. Mir genügt es völlig, wenn ich mich bei der Premiere auf der Leinwand sehe – alles Weitere ist kein Vergnügen mehr für mich, dafür bin ich viel zu kritisch: Ich sehe all die Fehler und ärgere mich, dass man sie nicht mehr ändern kann.

Andere sehen Ihre Arbeit nicht so kritisch.

Das Lob freut mich natürlich, es wäre doch schrecklich, wenn meine Selbstkritik von anderen auch noch bestätigt würde! (Lacht.) Aber letztlich lasse ich mich davon nicht wirklich beeinflussen, ich weiß schon genau, an welchen Stellen ich hätte besser sein können.

Die Kamera liebt Sie offensichtlich – ist es umgekehrt genauso, oder wie nervös sind Sie bei Dreharbeiten?

Ich liebe die Schauspielerei, zur Kamera habe ich kein besonderes Verhältnis. Sehr ungern spiele ich Szenen, bei denen ich direkt in die Kamera schauen muss und vorgebe, dass ich eine andere Person anschaue – aber solche Sequenzen lassen sich nun einmal leider nicht vermeiden.

Wie viel Spaß macht es, stets zu den „50 schönsten Menschen“ gezählt zu werden?

Seine Schönheit zu bewahren, erfordert viel Arbeit und noch mehr Disziplin – Sie können mir glauben, wie sehr ich das hasse! Aber wenn man fit aussehen will, kann man einfach nicht so essen wie ein Schwein. Es gibt keine magische Pille und keine geheime Diät: Man muss einfach Sport machen.

Halten Sie die Disziplin nonstop durch, oder lassen Sie sich auch einmal gehen?

Vor und während eines Films bin ich eisern – aber danach lasse ich mich natürlich schon auch ein bisschen gehen. Man sieht dann schnell ganz anders aus, und ich zeige mich nur noch möglichst wenig in der Öffentlichkeit. (Lacht.) Ich habe ein ziemlich gutes Gespür dafür, wann ich mich zeigen kann und wann ich mich besser verstecke.

Wie sieht Ihr disziplinierter Tagesablauf während der Dreharbeiten aus?

Es ist schrecklich: Ich stehe jeden Tag um vier Uhr morgens auf und beginne mit Fitness-Übungen. Kartoffelchips und andere Versuchungen sind tabu.

-Wie fühlt man sich mit 51 Jahren?

Diese magische Altersgrenze hat für mich keine große Rolle gespielt, weil ich mir vorher nie viele Gedanken darüber gemacht habe. Natürlich war mir klar, dass diese Zahl 50 gerade für Frauen als ein Stigma gilt. Umso überraschender war für mich, dass dieser Tag kam und vorbeiging – und anschließend war fast alles wie zuvor. -

Was war anders?

Man spürt schon, dass man nun in der zweiten Halbzeit spielt. Man wird sich plötzlich bewusst darüber, dass die Zeit des eigenen Lebens nicht unbegrenzt ist. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, die Momente des Glücks viel intensiver zu genießen und viel dankbarer für mein Leben zu sein. Zugleich verschwindet der ganze Druck, der früher auf einem lastete. Man nimmt alles gelassener.

Fällt es Frauen heute leichter zu altern?

Absolut. Ich habe beschlossen, 50 ist die neue 30. Verbreiten Sie das bitte überall! (Lacht.)

Die Gretchenfrage zum Schluss: Wie halten Sie es mit Schönheitsoperationen?

Ich habe nichts gegen Schönheitsoperationen – solange sie gut gemacht sind. Niemand hat wohl etwas dagegen, wenn er sein Aussehen ein wenig verbessern kann. Die Sache scheint allerdings etwas außer Kontrolle zu geraten. Dass es diesen Jugendwahn nun fast in allen Lebensbereichen gibt, finde ich schon etwas beängstigend.

Das Gespräch führte Dieter Oßwald.

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