Nach hochkarätigen "Pensionären" gefahndet

- Nicht nur bei der HypoVereinsbank tut sich etwas, brodeln im Untergrund Zukunftshoffnung oder -sorge - Stichwort: Unicredito -, auch bei der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in den Münchner Fünf Höfen bahnt sich eine Änderung an. In den von den Architekturstars Herzog & de Meuron fein und dezent umgebauten Hallen locken derzeit Helmut Newtons Nackte die Besucher an, in den benachbarten Büros aber wird ernst gegrübelt. Der Direktor Johann Georg Prinz von Hohenzollern hört auf. Anfang Oktober soll die Nachfolgerin oder der Nachfolger bekannt gegeben werden.

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Götz Adriani (Tübinger Kunsthalle) - er schenkte dem Haus eine viel besuchte Ausstellung zu Henri de Toulouse-Lautrecs Grafik-Schaffen - ummurmelte die Fama seinen Namen. Klar, Adriani würde zur "Hypo" kommen. Energische Dementis aus dem Haus ließen die Gerüchte wieder versickern. Es sei noch gar nichts entschieden, alles sei noch offen - und was man sonst noch so von offizieller Seite zu verlautbaren pflegt.

Die Kunsthalle ist bei der Besetzung des Chefpostens bisher immer auf Nummer sicher gegangen. Der gerade verstorbene Peter Ade, der das Haus der Kunst nach dem Krieg berühmt gemacht hatte, war ein ausgewiesener Ausstellungsmacher für die Klassische Moderne, hatte exzellente Kontakte, kannte sozusagen Tod und Teufel in der Szene. Von Hohenzollern, vorher Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, hat ähnliche Meriten, darüber hinaus gute Verbindungen zu Museen und Sammlungen im In- und Ausland. Das brauchen Ausstellungshallen ohne eigene Sammlung dringend. Wilde Experimente waren bei beiden ausgeschlossen, Minderheiten-Programme waren wohl dosiert, insgesamt war man sehr besucherfreundlich. Die Zahlen sollten stimmen: Die Geduld der Bankiers sollte ja nicht überstrapaziert werden.

So ist anzunehmen, dass auch nun wieder nach einer ausgewiesenen, erfahrenen Persönlichkeit gefahndet wird. Risikokapital wird eher nicht gewährt: Ein weiblicher oder männlicher Jungspund wäre schon eine rechte Überraschung. Hochkarätige "Pensionäre" stehen ja durchaus zur Verfügung. Jean-Christophe Ammann, der Schweizer, zum Beispiel ist schon frei geworden. Er prägte das Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Oder Uwe Schneede: Er verlässt die Hamburger Kunsthalle (ebenfalls Jahrgang 1939) im Januar 2006; mit ihm hätte man das gesamte Spektrum von edler alter Kunst über exklusivste Moderne bis zu aktuellen Tendenzen abgedeckt.

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