Das Aus nach sechs Abenden

- München - Diese kurze Laufzeit ist fast beispiellos: Nur sechs Aufführungen durfte sie erleben, jetzt wird Hans-Peter Lehmanns "Walküre" von der Bühne des Nationaltheaters verbannt. Der Nothelfer, der nach dem plötzlichen Tod Herbert Wernickes diese Münchner Festspiel-Premiere rettete, hat also seine Schuldigkeit getan. Denn David Alden, der mit "Siegfried" und "Götterdämmerung" betraut wurde, inszeniert nun auch eine neue "Walküre".

<P>Die Bayerische Staatsoper nimmt damit eine zusätzliche, vollwertige Premiere in den Spielplan: am 7. Mai, im Rahmen der ersten zyklischen "Ring"-Aufführung. Was von den einen mit Blick auf Lehmanns laue "Walküre" begrüßt wird, verursacht bei anderen Stirnrunzeln: Denn notwendig sind nun eine weitere Regie-Gage plus Probengeld für die Sänger, Zusatz-Kosten fürs Bühnenbild und ein erheblicher Dispositionsaufwand. <BR><BR>Doch die Staatsoper wiegelt ab - ohne genaue Zahlen zu nennen: "Wir erwarten keine außergewöhnlichen finanziellen Probleme", sagt Pressechefin Ulrike Hessler. Der Haushalt könne "Unvorhergesehenes" verkraften. Außerdem verweist sie auf den Hauptsponsor des Münchner "Rings": "Gott sei Dank haben wir Audi." Die Sänger seien ohnehin zu dieser Extra-Probenzeit durch den "Ring"-Zyklus in München, Waltraud Meier (Sieglinde) und Peter Seiffert (Siegmund) wohnten sogar hier. Ulrike Hessler betont, dass die Staatsoper über "ein starkes Controlling" verfüge und ihre Ausstattungskosten um einen erklecklichen Betrag zurückgefahren habe: Noch 1987 habe man dafür 1,6 Millionen Euro ausgegeben, derzeit seien es "knapp über eine Million".<BR><BR>Dass Hans-Peter Lehmanns "Walküre" wieder gekippt wird, war bei der Verpflichtung des früheren Hannoveraner Intendanten nicht klar. Erst über den Sommer sei man in Gesprächen mit David Alden übereingekommen, dass dies wirklich "sein ,Ring"" werden solle. Das heißt: Wernickes "Rheingold" bleibt als vollendete, eigenständige Produktion erhalten, den Rest steuert Alden bei. Lehmann sei die Entscheidung, so Ulrike Hessler, zu Beginn dieser Saison mitgeteilt worden: "Wir haben ihm erklärt, dass die Entscheidung nichts mit ihm zu tun hat. Und er hat als Theaterleiter sehr verständnisvoll reagiert."<BR><BR>Abschied nehmen müssen die Opernfans damit vom Bühnenbild des Bayreuther Zuschauerraums. In Wernickes "Rheingold" glänzt er zwar noch in voller Pracht, doch Alden will in seinen drei "Ring"-Teilen das Wagner-Mekka nur noch als Zitat verwenden, den Raum demnach immer mehr dekonstruieren. Und dadurch, so finden viele, kann der Münchner "Ring" ja nur gewinnen.<BR></P>

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