Nach 14 Tagen beginnt ein Menschenleben

- Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Mit den Augen der Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard gesehen beginnt unser (schützenswertes) Leben vierzehn Tage nach der Zeugung. Dann nämlich, so begründete die Medizin-Nobelpreisträgerin in der Zukunftsreihe der Münchner Kammerspiele ihre Überzeugung, hätten die wenigen bereits entstandenen Zellen "entschieden, ob sie der Embryo oder die äußere Hülle werden".

<P>Denn anders als bei eierlegenden Lebewesen kann das Ungeborene der Säuger erst nach der Entwicklung der Ernährungsstruktur, die notwendig ist für die Symbiose mit der Mutter, Gestalt werden. Nur aus einem Teil des Zellenballs bildet sich dann der Embryo, der seine wesentliche Gestalt, wenn auch als Winzling, bereits nach fünf Wochen hat. <BR><BR>Die Tübinger Forscherin nahm es sehr genau mit der Schilderung der Entwicklungsstadien von Mensch und Tier, um den Zuhörern begreiflich zu machen, warum sie - Mitglied im Nationalen Ethikrat - eine liberalere Haltung etwa zur Forschung mit embryonalen Stammzellen hat als das deutsche Parlament (die Politiker misstrauen den Forschern zu sehr), andererseits aber gegen Abtreibung ist. Sie plädiert für die Präimplantationsdiagnostik, den Gentest im Achtzellenstadium. </P><P>Immerhin entwickeln sich 60 Prozent der befruchteten Eier nicht normal. Nicht jeder im Auditorium verstand sie richtig, das zeigte ein um den Schutz des ungeborenen Lebens besorgter Zwischenrufer. Doch da versagte auch der Moderator, der in der Diskussion nicht die richtigen Weichen stellte.<BR><BR>Vieles ist noch zu erforschen, bis sich der Schleier über dem Geheimnis des Lebens (vielleicht) lüftet: Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat da kaum etwas geändert, meint Nüsslein-Volhard. "Wir kennen noch nicht einmal die Rezepte, die die Gene in Proteinen zum Ausdruck bringen". <BR><BR>Und weil das Gen-Geschehen in den Zellen unseres Organismus' so vielschichtig ist, ist bisher noch nicht einmal die Gen-Einschleusung im Kampf gegen Erbkrankheiten machbar. Ganz zu schweigen vom menschlichen Klon-Baby - für Nüsslein-Volhard ein Science Fiction-Fall.</P>

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