Nach dem Unwetter

- Dieser Besuch war kein Tournee-Gastspiel und frei von jeglicher Routine. Was nur selten vorkommt: Die Musiker der Staatskapelle Dresden wurden in der Münchner Philharmonie so lange begrüßt, bis der Letzte/die Letzte erschienen war. Und das Konzert bildete gleichzeitig einen Brückenschlag von München, der Geburtsstadt von Richard Strauss, dessen "Alpensymphonie" aufgeführt wurde, nach Dresden zu dem Orchester, das er ins Herz geschlossen hatte. Darum widmete er auch sein umfangreichstes symphonisches Werk diesem Ensemble, das es 1915 zum erstenmal spielte - allerdings in Berlin, nicht in Dresden.

<P>Am Pult stand Bernard Haitink, schon ganz Grandseigneur mit manchmal gemessenen, dann wieder weit ausladenden Bewegungen, stets auf die Integration der sehr unterschiedlichen Teile mit ihren großen Instrumentations-Schwankungen bedacht. Das Naturalistische blieb dezent am Rande; Herdenglocken und Windmaschine sind eben nur - anders als bei Mahler - illustrative Unterstreichung. Aber das Gewitter, hervorgehend aus der unheimlichen Ruhe vor dem Sturm, brachte schon einen starken, unmittelbaren Eindruck; seit Berlioz wurde nichts Vergleichbares komponiert, und das Orchester erbrachte eine imponierende Gesamtleistung.</P><P>Die eigentliche Delikatesse des Abends aber stand am Beginn: Mozarts G-Dur-Konzert KV 216 mit Frank Peter Zimmermann als Solisten. Er geigte seinen Part mit blühendem Ton, mit immer noch jugendlicher Verve, makellos und völlig unangestrengt. Das war im Zusammenklang mit dem Orchester mit seinem schönen, ausgeglichenen Streicherklang ein besonderes Erlebnis.</P><P>Am Schluss des Konzerts, nach der "Alpensymphonie", gab es minutenlangen Beifall; als Ermunterung für die erlittenen und noch zu erleidenden Schäden sicher ebenso wichtig wie die geleisteten Spenden für die "Stiftung zur Förderung der Semperoper".</P><P>Karl Robert Brachtel</P>

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