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Zum Tod von Christiane Hörbiger: Die Frau, die alle liebten

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Von: Stefanie Thyssen

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Schauspielerin Christiane Hörbiger und Kollege Götz George in „Schtonk“
Eine Szene aus „Schtonk“: Christiane Hörbiger und Götz George © Oliver Berg

Wien – Für sie machte er eine Ausnahme. 2013 war das. Götz George gab nie gerne Interviews. Und Umfragen nach dem Motto „Wie feiern Sie Weihnachten? Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?“ quittierte seine Agentin stets mit einem höflichen, aber bestimmten: „Nein, nun wirklich nicht.“ Als es aber darum ging, Christiane Hörbiger zu ihrem 75. Geburtstag zu gratulieren, da machte George mit.

Als einer von ihren vielen Film-Männern. Gestern ist Hörbiger im Alter von 84 Jahren gestorben. Sie sei eine gleichaltrige Spielgefährtin, so George (1938–2016) damals, zu der er „grenzenloses Vertrauen“ habe. Tatsächlich hatten die beiden eine ganze Menge zusammen gedreht. Neben dem Kinofilm „Schtonk!“ wunderbare TV-Geschichten wie „Alpenglühen“ oder „Blatt und Blüte“. „Ich schätze und bewundere sie“, sagte George weiter. Um dann anzufügen: „Ach Quatsch. Man kann es auch kürzer sagen: Ich liebe sie einfach.“

Ähnlich liebevoll gratulierten seinerzeit Elmar Wepper („Man freut sich auf jeden Tag mit ihr“) und Michael Mendl („Ich spiele gern ihren Liebhaber“). Christiane Hörbiger war also, das kann man gut und gern behaupten, eine über die Maßen respektierte und geschätzte Kollegin – und Liebling von Millionen Zuschauern. Wer sie persönlich traf, erlebte eine Frau, die außergewöhnlich schön war, durchaus etwas divenhaftes hatte, dann aber so herzhaft lachen konnte über Kleinigkeiten und Skurrilitäten, dass man gern mit ihr Stunde um Stunde verbracht und ihr zugehört hätte.

Zu erzählen gab es jedenfalls immer eine Menge. Als Tochter des Schauspielerehepaares Paula Wessely und Attila Hörbiger war ihr das Talent in die Wiege gelegt. Einerseits. Andererseits wollten die Eltern nicht, dass Christiane in ihre Fußstapfen tritt. „Zuckerbäckerin“ sollte sie werden, Konditorin. „Das finde ich aus heutiger Sicht eigentlich unmöglich“, sagte Hörbiger in einem Interview mit unserer Zeitung 2009. Anlass damals war, dass ihr der Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises verliehen wurde. „Meine Eltern meinten es gut, das weiß ich, aber es ist unfair, einem Kind einzureden, was es werden soll. Das finde ich anmaßend.“ Glücklicherweise sei es ja anders gekommen.

Wohl wahr. Dank eines Filmproduzenten, der Probeaufnahmen mit ihr machte, kam sie raus aus der Konditorei und konnte Schauspielerin werden. In den späten 1950er-Jahren ging es los. Sie besuchte das renommierte Reinhardt-Seminar in Wien, das sie allerdings für Dreharbeiten zum Film „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“ verließ. Sie wollte spielen. Feierte ihr Bühnendebüt in Lessings „Nathan der Weise“ am Burgtheater im Jahr 1959. Die Kritik meinte es allerdings nicht gut mit ihr, Hörbiger wechselte zwei Jahre später an die Städtischen Bühnen in Heidelberg. Nach Stationen in Salzburg und Zürich kehrte sie zurück an die Burg – und hatte Erfolg.

In den 80er-Jahren dann der große Sprung ins Fernsehen, der ihr gleich einen Mega-Erfolg bescherte: In „Das Erbe der Guldenburgs“ (1987 bis 1990) spielte sie die Gräfin, an der Seite von Kollegen wie Karl-Heinz Vosgerau und Brigitte Horney. Gefeiert wurde sie in den Jahren darauf unter anderem für ihre Darstellung der Freya von Hepp in Helmut Dietls preisgekrönter Satire „Schtonk“ über die gefälschten Hitler-Tagebücher, für ihre Rollen in „Tafelspitz, Lamorte und Hunger“. Als Wiener Juristin in der ARD-Serie „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“ holte sie in den Jahren 1998 bis 2003 ein Millionen-Publikum vor die Bildschirme.

Gefragt nach der Zeit in ihrer Karriere, an die sie sich am liebsten erinnert, antwortete sie einmal: „Das war eigentlich die Zeit, als ich etwa 40 Jahre alt war.“ Also noch vor ihrem großen Durchbruch als TV-Star? Ja! Denn von dem Moment an habe sie ihr Leben nicht mehr nach dem schwarzen Brett am Theater ausgerichtet, sondern nach ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestaltet. „Da begann ich, auf den freien Markt zu gehen und habe Glück gehabt.“ In den Jahren zuvor sei sie – wie übrigens jede berufstätige Frau – sehr zerrissen gewesen zwischen einem kleinen Kind, einem geliebten Mann, einem kleinen Haushalt und der Arbeit am Zürcher Schauspielhaus.

Das kleine Kind ist inzwischen natürlich groß. Sascha Bigler, Jahrgang 1968, arbeitet erfolgreich als Autor und Regisseur. Das Verhältnis der beiden war immer eng. Sicherlich auch, weil sein Vater, der Schweizer Journalist Rolf R. Bigler, an einem Herzinfarkt starb, als der Sohn gerade mal zehn Jahre alt war.

Sascha Bigler und Christiane Hörbiger haben auch zusammengearbeitet. Den Film „Meine Schwester“ aus dem Jahr 2013 hat er gedreht mit ihr in der Hauptrolle. „Wir sind mehr befreundet, als dass es eine typische Mutter-Sohn-Beziehung wäre“, hat Bigler mal in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt. „Wir sprechen auf Augenhöhe. Ich würde sagen, Christiane ist mein bester Freund.“ Seine Trauer wird nun unendlich groß sein. So wie die der vielen Kollegen und nicht zuletzt der Zuschauer, die diese große Dame der Schauspielkunst in ihr Herz geschlossen haben.

Christiane Hörbiger mit dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer
Christiane Hörbiger mit dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer © Marcus Schlaf
Hoerbiger, Christiane - Schauspielerin, mit Paula Wessely (l.) und Theo Lingen
Christiane Hörbiger (re.) mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Paula Wessely, und Schauspieler Theo Lingen. © ullstein bild Dtl.

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