700 Grad heißes Aluminium läuft aus: 56 Verletzte

700 Grad heißes Aluminium läuft aus: 56 Verletzte
+
Marianne Lindner mit ihrem „Rollen-Bücherl“.

Zum Tod der bayerischen Volksschauspielerin

Nachruf  auf Marianne Lindner - die „Bissgurn“ vom Dienst

Gmund – 70 Jahre lang machte Marianne Lindner mit Elan und Schwung ihr liebstes Hobby als Beruf. Am 24. November starb die bayerische Volksschauspielerin. Ein Nachruf.

„Schauspielerin“, antwortete die kleine Marianne bereits im Alter von fünf, sechs Jahren mit fester Stimme auf die Frage, was sie einmal werden wolle. Die Schauspielerei war ihr Beruf, ihre Berufung, das wusste Marianne Lindner einfach. Sie widmete ihr rund 70 Jahre ihres Lebens mit Talent, Disziplin und einem unauslöschlichen Spieltrieb. „Meine Mutter hat dem Theater alles untergeordnet“, sagt ihre Tochter Edith Rom, „und sie hat ihren Traum auch in den schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeiten verfolgt“.

Geboren in Thüringen, kam Marianne Lindner als Sekretärin nach Bayern, nahm Schauspielunterricht bei Fritz Haneke in Salzburg und Nestor Lampert in München. Von 1948 bis 1968 leitete sie zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Siegfried Lindner die Siegfried-Lindner-Bühne. 1961 gelang der Frau mit den großen wachen Augen der Durchbruch, als ihr Olf Fischer die Rolle der tyrannischen Haslocherin in „Die drei Eisbären“ beim Komödienstadel des Bayerischen Rundfunks gab. Der Part der „Bissgurkn“, der verhärmten, herrischen, bigotten Frau, blieb der Charakterdarstellerin. Marianne Lindner war in über 100 TV-Produktionen zu sehen, darunter in den Serien „Irgendwie und Sowieso“ sowie „Der Bulle von Tölz“. Sie hatte Gastspiele auf Münchner Theaterbühnen, unter anderem im Theater Rechts der Isar, wo sie als Claire Zachanassian in Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ „die Rolle meines Lebens“ spielte, wie sie später sagte.

Bis zuletzt lebte Marianne Lindner in ihrer Wohnung in Gmund (Kreis Miesbach). Wenn ihre zwei Töchter, Enkel und Urenkel sie besuchten, sprachen sie gern von früheren Zeiten, erzählt Edith Rom. In einem Bücherl hatte Marianne Lindner alle ihre Rollen und Engagements aufgelistet, über 20 Blätter, beidseitig beschrieben. Die Bilder in den zahlreichen Fotoalben zeigten sie neben Kollegen wie Beppo Brem, Maxl Graf, Michl Lang. Sie blickte gerne auf ihre Zeit als Schauspielerin zurück, ihren Beruf, ihre Berufung, die sie erst mit 88 Jahren schweren Herzens aufgab. Marianne Lindner starb am 24. November, kurz vor ihrem 94. Geburtstag.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

DJ-Legende Carl Cox kommt zum Echelon-Jubiläum
Einen besonderen Stargast erwarten die Veranstalter des größten elektronischen Musikfestivals in Süddeutschland zum großen Jubiläum. 
DJ-Legende Carl Cox kommt zum Echelon-Jubiläum
Alt-J in der Olympiahalle: Raffinierte Schnipselei
Das Trio Alt-J vollführt ein der immerhin zu zwei Dritteln gefüllten Münchner Olympiahalle ein Kunststück: die Konzertkritik.
Alt-J in der Olympiahalle: Raffinierte Schnipselei
Baselitz und Deutschland
Der Maler, Grafiker und Bildhauer Georg Baselitz über Erinnerungen, Klassiker und Widerständler, Deutschland und Nationalismus
Baselitz und Deutschland
Der letzte Stummfilm-Schrei
Das Orchester Jakobsplatz spielte im Rahmen seiner Reihe „Flimmerkammer“ in den Münchner Kammerspielen zu „Der Student von Prag“. Lesen Sie hier unsere Kritik:
Der letzte Stummfilm-Schrei

Kommentare