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Diva und Jahrhundertsängerin Aretha Franklin starb im Alter von 76 Jahren.

NACHRUF

Sie war die Größte: Zum Tod von Aretha Franklin

Ihre Launen waren ebenso spektakulär wie ihre fünf Oktaven umfassende Stimme: Ein Nachruf auf Aretha Franklin

1967 erschüttert eine Frau die Musikszene in einer Weise, wie es seitdem in dieser Eindringlichkeit weder zuvor noch danach einer Kollegin gelungen ist. Aretha Franklin, 25 Jahre jung, schmettert sieben Buchstaben in den Äther, die alles zusammenfassen, worum es in jenen turbulenten Zeiten geht. R E S P E C T buchstabiert sie rasend schnell und mit unsichtbaren sieben bis acht Ausrufezeichen dahinter – zusammen mit der abgekürzten Aufforderung TCB! Respekt will die junge schwarze Frau, und man solle sich mal endlich der Sache annehmen. „TCB“ steht für „Take Care of Business“. In dieser wuchtigen Klarheit und Kürze kann man das nur im Englischen so hinausschleudern. Der Text des Liedes „Respect“ ist an sich nicht aufrührerisch, erst die Art, in der Franklin das hinausschreit, macht es zu einem gesellschaftspolitischen Statement.

Das Lied stammt gar nicht von ihr. Soul-Legende Otis Redding hat es zwei Jahre zuvor auf dem gefeierten Album „Blue“ veröffentlicht. Allerdings erarbeitet Franklin neue, unwiderstehliche Harmonien (gesungen von ihren Schwestern) und schreibt eine zusätzliche Strophe, eben genau jene, in der sie „Respect“ buchstabiert und das Wort damit zu einem Kampfaufruf macht. Franklin ist über Nacht die „Queen of Soul“, ihre energiegeladene, unverwechselbare Art zu singen eine Sensation. Innerhalb eines Jahres platziert sie zehn Lieder in den Top Ten der Singlecharts und drei Alben unter den ersten zehn der LP-Hitparade. Das war nicht einmal den sagenumwobenen Beatles gelungen. Und Otis Redding erkennt kleinlaut an: „,Respect‘ gehört jetzt ihr.“

Franklin, die sich selbst immer als völlig normale Frau bezeichnet, wird von ihrer Umwelt fortan eher als Diva wahrgenommen, deren Launen mindestens so spektakulär sind wie ihre fünf Oktaven umspannende Stimme. Zum Licht und auf die Bühne zieht es Franklin ohnehin früh. Sie wächst in Detroit auf, wo gerade eine vitale Musikszene entsteht und das Plattenstudio „Motown“ Popgeschichte schreiben wird. Franklins Vater ist ein berühmter Prediger. Der Familie geht es gut, man ist mit den Stars jener Zeit befreundet. Arethas Idole Mahalia Jackson oder Sam Cooke gehen dort ein und aus.  Aretha  hat  früh Kontakt zur Showbranche. Ihr einzigartig expressiver Gesangsstil fällt auf. Schon als Teenager veröffentlicht sie Platten, damals noch mit Gospelsongs.

Selbstbewusst bis zur Halsstarrigkeit

Getrieben vom ersten Ehemann Ted, dem Vater ihrer ersten drei Kinder, nimmt sie bald kommerziellere Stücke auf, aber die glatten Popsongs und Musicalnummern unterfordern sie. Erst als sie sich vom Mann trennt und mit dem Album „I never loved a Man the Way I love you“ an die Spitze schreit, kommt der Erfolg. Eröffnet wird die Platte natürlich mit „Respect“, mit dem sich Franklin auf ewig in das kollektive Gedächtnis der Musikwelt einbrennt. Sie ist selbstbewusst bis zur Halsstarrigkeit und dennoch umweht sie eine Ahnung von Wehmut. Auf vielen Fotos sieht die attraktive Aretha betrübt aus. Die Suche nach dem richtigen Mann scheint sie umzutreiben. „Wer mich erobert, bekommt eine Hammerfrau“, verkündet sie, wobei man „Hell of a Woman“ gar nicht adäquat übersetzen kann. Obwohl Franklin als Ikone der Frauenbewegung und als Symbol der Gleichberechtigung gilt, hat sie ein traditionelles Familienbild. Der Mann muss ein Gentleman sein und die Frau eine gute Köchin, was Aretha Franklin dem Vernehmen nach tatsächlich ist. Ein Idealbild, dem sie wohl vergeblich hinterher träumt.

Dafür läuft es beruflich exzellent. Den Grammy, den wichtigsten Musikpreis der Branche, gewinnt sie in Serie, insgesamt 20 Mal. Als ihre Karriere durch Disco, das Scheitern der zweiten Ehe und Erkrankung des verehrten Vaters ins Trudeln kommt, flieht Franklin 1982 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus der Glitzermetropole Los Angeles zurück in die Heimatstadt Detroit. Das ist nicht frei von Ironie, denn mit dieser Stadt geht es gerade auch bergab. Aber: Wer etwas von ihr will, muss zu ihr nach Detroit kommen, da ist sie unerbittlich. Gesangsaufnahmen – in Detroit. Konzerte gibt sie nur, wenn sie den Ort in maximal zwölf Stunden mit dem Auto von Detroit aus erreichen kann, denn Franklin besteigt kein Flugzeug, aus Prinzip.

Bewusste politische Zurückhaltung

1985 feiert sie gegen alle Vorhersagen mit „Who’s zoomin who“ den größten Erfolg ihrer Karriere. Das Wort Comeback verbietet sie sich. „Ich war nie weg.“ Annie Lennox von den Eurythmics überredet Franklin daraufhin zu dem Duett „Sisters are doing it for themselves“, dem womöglich besten, auf jeden Fall schmissigsten feministischen Song der Rockgeschichte, was überrascht, denn Franklin hält sich mit politischen Aussagen bewusst zurück. Außer Wahrheiten wie der, dass jeder Mensch Respekt verdient, äußert sich Franklin ungern eindeutig, obwohl sie selbstverständlich begeistert vom ersten afroamerikanischen Präsidenten Barack Obama ist.

Ihr immerwährendes Ringen mit dem Gewicht hingegen thematisiert sie offen und selbstironisch ebenso wie die Anekdoten um ihr launisches Auftreten. Sie trägt unter sündhaft teuren Pelzmänteln schon mal Jeans und Sweatshirts oder gräbt eigenhändig den heimischen Gemüsegarten um. Ein wenig hadert sie damit, mit den neueren Alben nicht mehr die Beachtung zu finden, die sie ihrer Meinung nach verdient hätte. Bitter ist sie nicht geworden, sondern lobt Nachfolgerinnen wie Beyoncé ausdrücklich, und sie hadert auch nicht mit dem Fortschritt. Ohne Facebook könne sie nicht leben.

Nun ist Aretha Franklin, Diva, Jahrhundertsängerin und Hausfrau mit 76 Jahren in Detroit gestorben. Es bleibt: R E S P E C T! Niemand sonst konnte das so singen, niemand sonst wird es je können. Sie war die Größte.

Von Zoran Gojic

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