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Heizt seinen Fans auch sitzend ein: Marilyn Manson ist in München wegen eines Beinbruchs gehandicapt.

Rockmusiker trat in Zenith auf

Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron

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Trotz eines gebrochenen Beins tritt Marilyn Manson in der Münchner Zenithhalle auf. Dort bietet er seinen Fans eine kurze, aber wohl unvergessliche Show - bis die Lichter angehen.

München - Der Fotojournalist Brian Warner hat mit der Kunstfigur Marilyn Manson was Irres und Geniales geschaffen. Der Luzifer des Musik- und Showgeschäfts ist mit 48 Jahren freilich kein junger Hüpfer mehr, im ausverkauften Zenith am Samstagabend schon gleich zweimal nicht: das erst im September gebrochene Bein zwingt ihn zum Sitzen, Stehen und Liegen. Die Bühne ein Krankenzimmer, in der Luzifer fulminant Hof hält. Zu Beginn sitzt er auf einem Thron, den er, einem elektrischen Rollstuhl gleich, per Hand steuert. Klar ist das irre, gar genial! In der anderen Hand hält er das Mikro und brüllt sich bei "This is the new shit" und "mOBSCENE" die Seele aus dem Leib.

Willkommen bei der Manson-Messe! Die dauert kürzer als ein Fußballspiel, in den nicht mal 90 Minuten gibt Marilyn Manson seinen Fans aber nicht nur mächtig auf die Ohren, er führt auch ein kleines Theaterstück auf: Zwei Krankenpfleger mit Mundschutz bewachen und stützen ihn, helfen ihm in den Pausen zwischen den Songs beim Umkleiden, legen ihn mal auf eine OP-Liege, setzen ihn mal in einen Rollstuhl - schauderhaft schön, wie sich Luzifer zu seiner brachialen Version des Eurythmics-Klassiker "Sweet Dreams" auf der Liege räkelt. Luzifer lacht, schäkert, zieht Grimassen, Luzifer hat Spaß in München!

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Bange Fragen während der Dunkelheit

Seine Jünger haben's auch, nur geht der und die Energie in den Songpausen stets schnell verloren, man bangt und fragt sich immer wieder in der sekundenlangen Dunkelheit: "Kommt noch was?"

Nach gut 80 Minuten gehen unverhofft die Lichter an, nach Zugabe schreit keiner, ist ja einmal mehr nicht klar, ob's das jetzt war. Minutenlang Stillstand, dann verlassen die ersten die Halle. Marilyn? Manson? Tatsächlich, das war's. So überraschend irre er auf dem Luzifer-Thron erschienen war, so überraschend schnell hat er sich aus dem Staub gemacht. Was bleibt? Die Gewissheit und einmal mehr der Beweis, dass Marilyn Manson auch trotz Beinschiene und eingeschränkter Bewegungsfreiheit eine irre, einzigartige, teuflische und geniale Kunstfigur ist.

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