Nachwuchs im Glück

- "Ab in den Wald" - stimmt das kesse Rotkäppchen den ersten Hit an und alle, alle folgen willig: das Aschenputtel, das zum Grab seiner toten Mutter läuft, das Bäckerehepaar, dem die Hexe ein Baby versprochen hat, und der Hans, der seine Kuh Milchweiß verkaufen soll. Aus ihren putzigen, kleinen Stuben, die wie ein Triptychon auf die Bühne des Münchner Prinzregententheaters gebaut sind, stürmen sie "Into the Woods".

<P class=MsoNormal>So heißt das Musical von Stephen Sondheim (Text) und James Lapine (Musik), das am Samstagabend - heftig beklatscht und bejubelt - als Abschlussproduktion des Studiengangs Musical der Bayerischen Theaterakademie und der Musikhochschule für Bomben-Stimmung sorgte. Dieses Musical ist ein irrer Verschnitt aus Grimm'schen und anderen Märchen, mit Bettelheim'scher Psychologie aufgeschäumt, ein bisschen böse, ironisch und sehr witzig abgeschmeckt. Da mit Werner Sobotka, Hannes Muik (beide Regie), Philip Tillotson (Dirigent), Ramses Sigl (Choreographie), Walter Vogelweider (Bühnenbild) und Elisabeth Gressel (Kostüme) offenbar ein Top-Team am gleichen Strang zog, verirrten sich die Musical-Studenten keineswegs im Wald.</P><P class=MsoNormal>Bei aller Liebe zum Detail, die sich vor allem in den herrlichen Kostümen - in Blüten-gespickten Strümpfen oder bunten Verschnürungen - austobte, störte kein Zuviel. Sobotka/Muik verließen sich statt auf überflüssige Gags ganz auf die natürliche Spielfreude ihres Ensembles. Da schienen alle, Mädel wie Burschen, exakt ihrem Typ entsprechend besetzt.</P><P class=MsoNormal>Potpourri aus Märchen</P><P class=MsoNormal>Zunächst steuert das Märchen-Allerlei, gelegentlich von einer gar nicht tantigen, schicken Erzählerin (Kathrin Ackermann) angeschoben, aufs übliche Happy-End zu: Das fleißige, hübsche Aschenputtel (Meghann Smith) wird trotz böser Verwandtschaft (Marisa de Stefanow-Plegge, Roberta Valentini, Joana Fee Würz) vom smarten Prinzen (Patrick Lammer) heimgeführt. Das pfiffige Rotkäppchen (Antje Eckermann) vom Draufgänger-Wolf (Björn Klein) samt Großmutter (Jannike Schubert) verspeist und vom tapsigen Bäcker (Thada Suanduanchai) befreit ganz ohne Beihilfe seiner forschen Frau (Lucca Züchner).</P><P class=MsoNormal>Derweil muss das Muttersöhnchen Hans (Gunther Elmer) seine geliebte Kuh (Sophie Berner) verkaufen, klaut den unsichtbaren Riesen (Krystyna Szponder) ein Huhn, das goldene Eier legt, und verhilft der bäurischen Mama (Leigh Klinger) somit zu einem Sonntagsdirndl. Genüsslich treibt die Hexe (Sarah Schütz, vom Studiengang Maskenbild herrlich verunstaltet) ihr böses Spiel mit Bohnen und Flüchen und tyrannisiert ihr Töchterlein im Turm. Das wirft als Rapunzel (Jacqueline Zebisch) sein blondes Haar herab und prompt galoppiert ein selbstverliebter, eitler Prinz (Till Schubert) mit Kammerdiener (Konstantin Krisch), aber ohne Ross herbei.</P><P class=MsoNormal>Gesang (per Mikroport verstärkt, nur manchmal etwas laut), Tanz und Spiel verschmilzt die junge Musical-Truppe von Vicki Hall souverän - solistisch wie in den peppigen Ensembles. Dass das vorläufige Märchen-Happy-End im zweiten Akt kräftig torpediert wird und am Schluss ein überlanger moralischer Zeigefinger den Weg zum zweiten, selbst verantworteten "lieto fine" weist, schreckte das Regieteam nicht. Die temporeiche, von Philip Tillotson und dem Musical-Orchester entsprechend unterminierte Inszenierung hält's locker aus.</P>

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