Der Nachwuchs steht Schlange

- Ein dickes Leporello kann Eckhard Klapp herunter-"beten" und muss dabei keineswegs erröten. Denn bei seiner Liste geht es nicht um Don Giovannis Eroberungen, sondern um "Winners & Masters" auf einem anderen Gebiet: um junge Musiker, die sich in München dem Publikum vorstellen dürfen. Der Kulturkreis Gasteig, ein gemeinnütziger Verein mit 180 Mitgliedern, schafft ihnen eine Plattform. Natürlich im Gasteig, Münchens großem Kulturzentrum.

"Wir sind sogar ein Jahr älter als der Gasteig", schmunzelt Klapp, der seit 21 Jahren Vorstandsvorsitzender ist. In den nächsten Tagen stehen zwei Veranstaltungen des Kulturkreises auf dem Programm: An diesem Samstag, 20 Uhr, präsentiert sich im Kleinen Konzertsaal ein "Winner" zahlreicher Preise: Marian Sobula. Der junge polnische Pianist huldigt Mozart und seinen Landsleuten Chopin, Szymanowsky und Krzysztof Meyer. Am kommenden Montag geht's von 9.30 bis 17 Uhr um die drei Förderpreise, die Kulturkreis und Kreissparkasse München-Starnberg vergeben. Acht Studenten des Richard-Strauss-Konservatoriums bewerben sich im öffentlichen Wettstreit darum.

Sogar Bußgelder fließen aufs Konto

Mittlerweile sind es 22 Konzerte, die der Kulturkreis Gasteig pro Jahr anbietet. Zu Beginn fungierte er lediglich als Geldgeber und finanzierte Abende der Gasteig-Betriebsgesellschaft, die keinen eigenen Etat dafür hatte. Seit sechs Jahren allerdings tritt der Kulturkreis selbst als Veranstalter auf. Die "Winners & Masters"-Reihe ist so etabliert, dass junge internationale Instrumentalisten Schlange stehen. Die Auswahl treffen dann Vorsitzender Klapp, sein Stellvertreter, der Komponist Wilfried Hiller, und Andreas Krause, der als Impresario der Reihe auch die Verträge ausarbeitet. Wichtige Fixpunkte im Jahresprogramm sind neben diesen Konzerten Heinrich Klugs Kinder-Kammerkonzerte, die der Kulturkreis 2003 übernahm, nachdem sie im Philharmoniker-Haushalt gestrichen worden waren.

Zum Glück kann sich Rechtsanwalt Klapp bei der Organisation des Kulturkreises auf seine Kanzlei verlassen. "Es ist fast ein Halbtags-Job, aber die Arbeit macht großen Spaß", gesteht der überzeugte Musikliebhaber. "Wir wirtschaften sehr sparsam." Neben dem Spenden-Mindestbeitrag von 100 Euro pro Jahr für Einzelmitglieder sind es vor allem einige Firmen, die das Budget des Kulturkreises aufstocken. Ab und zu fließen sogar Bußgelder aufs Konto des gemeinnützigen Vereins. "Denn eine Staatsanwältin hat uns ins Herz geschlossen", freut sich Klapp.

Was der Kulturkreis leistet, können Interessenten monatlich live überprüfen: Im April wieder beim Konzert des "Amortal Tango-Quartetts" mit Tango Nuevo.

www.kulturkreis-gasteig.de

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