Die Nackten und die Tiere

- Sie habe sich von Anfang an Arbeiten dieser Fotografen gewünscht, strahlt Kuratorin Inka Graeve Ingelmann. Denn mit der Unterstützung des Freundeskreises PIN konnten Werke von Nobuyoshi Araki (Jahrgang 1940) und Wolfgang Tillmans (1968 geboren) erworben werden. "Die Pinakothek der Moderne hat sich auf Künstlerräume konzentriert", und mit den beiden, für einige Monate neu eingerichteten Sälen gibt es nun eine besondere Ergänzung der vorhandenen Foto-Präsenz: Einerseits ist Araki heute ein Altmeister und war in jungen Jahren mit seinen erotischen Aufnahmen ein Provokateur; andererseits zollt die Kunstwelt Tillmans viel Aufmerksamkeit, seit er als Deutscher den britischen Turner-Preis gewann.

Von Araki konnte die PDM die 28 Originale seiner "Tokio"-Serie von 1973 kaufen. Stets wird ein Bild von Alltagsgesichtern aus der Menge, die sich durch die Straßen bewegt, über das von einer heftig geschminkten Frau gesetzt. Sie, die Außenseiterin, posiert mal als verspieltes Kind, mal nackt als zu allem bereites Sexobjekt. So erzeugt der Künstler eine beunruhigende Reibung der Existenz-Sphären einer Großstadt, die sonst fein säuberlich ausgeblendet wird.

Tillmans zeigt in seinem Raum fast einen uvreüberblick. Frühe Porträts - etwa der Glatzen-Typ, der auf einen Bürostuhl pieselt - sind genauso zu sehen wie das gegenstandslose, schön schimmernde Bild "Freischwimmer", das malerische Effekte wie Sprühnebel und gestische Eruptionen fotografisch erzeugt. Es gibt also auch die Spannweite von "anstößig" bis "edel". Wichtig ist Tillmans, alle Möglichkeiten der Fotografie auszuprobieren, ein reduziertes Konzept hat er nicht. Das formuliert auch seine "München Installation", die er extra für die dritte Pinakothek zusammengestellt hat: Der Ort bestimmt den Titel. Er arrangiert vom postkartenkleinen Mann mit Maschinenpistole bis zum Spiel mit Spiegeln ein Foto-Kaleidoskop. Daneben als Blickfang: Tillmans mit Mini-Hirsch.

Bis 11.6., 089/ 23 80 53 60.

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