Nächtliches Nachkriegsstück

- Gemeinhin treten ja Regisseure bei Premieren auf, um sich die Bravo-Buh-Packung abzuholen. Dass sich einer beim letzten Durchgang der Inszenierung zeigt, scheint ungewöhnlich. Doch David Alden, Hausregisseur der Bayerischen Staatsoper, ist ja einer der wenigen, der seine Regie-Babys auch im Repertoire-Alltag weiterbetreut.

Im Falle von Monteverdis "Il ritorno d'Ulisse in patria" (Die Heimkehr des Odysseus), noch einmal bei den Opernfestspielen im Prinzregententheater zu sehen, ist dennoch keine Perle entstanden. Gut, die Inszenierung hat ihre dichten, auch beeindruckenden Momente. Alden zielt auf ein düsteres Nachkriegsnachtstück. Doch schafft er es nicht, die richtige Balance zwischen Buffoneskem und Trauerspiel zu finden. Vieles wird verkleinert, Poesie und Größe stellt sich eigentlich nur dank der Sänger ein.

Vor allem dank Thomas Allen in der Titelrolle: ein gebrochener Kriegsheimkehrer, gramerfüllt und zynisch. Allen zeigt eine faszinierende Charakterstudie, kniet sich im Doppelsinn in seine Rolle hinein, zu der ganz gut passt, dass hier kein junger Bariton, sondern ein reifer, wissender Sänger am Werke ist. Sara Fulgoni war ihm mit üppiger, sehr körperhafter Alt-Stimme eine entsprechend tragödienhafte Penelope. Und auch alle übrigen Kollegen - vor allem Finnur Bjarnason (Telemaco), Kenneth Roberson (Eumete), Alison Hagley (Melanto) und Clive Bayley (Freier, Nettuno) - bewiesen, auf welch hohem Niveau in München Barock gesungen wird. Und gespielt: Christopher Moulds samt Spezialisten-Truppe der Staatsoper holten aus der reduzierten Besetzung ein Maximum an Farben und Flexibilität heraus. Ovationen und rhythmisches Klatschen - welches andere große Haus wagt schon Monteverdi?

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