Er nahm sie alle noch einmal mit ins Maxim

- "Was wir wollen!" So lautete der Titel des Gala-Programms, mit dem vor nunmehr 140 Jahren das Staatstheater am Gärtnerplatz - damals noch unter seinem ursprünglichen Namen als Aktien-Volkstheater - eröffnet wurde. Ein Motto, das sich auch Intendant Klaus Schultz für das gestrige Jubiläumskonzert zu Herzen genommen hatte, bei welchem er das Publikum und die zahlreichen Ehrengäste höchstpersönlich als Conferencier durch die bewegte Geschichte seines Hauses führte.

Die musikalische Seite der Matinee bot dabei vor allem einen Querschnitt durch die Premieren der jüngeren Vergangenheit. So konnte man etwa Thomas Cooley als koloraturensicheren Idomeneo erleben oder Talia Ors koketten Auftritt als Adele aus der "Fledermaus". Mit der Arie des Figaro, gesungen von Gary Martin, gab es daneben aber auch schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf die im Dezember anstehende Premiere von Rossinis "Barbier von Sevilla".

Doch gekommen waren die meisten wohl vor allem, um Legende Johannes Heesters noch einmal auf der Bühne des Hauses zu erleben, in dem er seit Ende der 30er-Jahre als Titelheld zahlloser Operetten Triumphe gefeiert hatte. Geschichte geschrieben hat er hier besonders in seiner Paraderolle als Danilo in Lehárs "Lustiger Witwe". Und auch in seinem unglaublichen 102. Lebensjahr ließ es sich Heesters nicht nehmen, noch einmal mit weißen Handschuhen, Schal und Zylinder bewaffnet den Weg ins Maxim anzutreten, wofür er vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Wie schon bei Millöckers "Ich knüpfte manche zarte Bande" ließ Heesters auch hier noch einmal seinen altbewährten Charme spielen, flirtete sogar ganz ungeniert mit den Damen in der ersten Reihe.

Kaum weniger bewegend der Auftritt von Operettendiva Sari Barabas, die sich im Gespräch mit Klaus Schultz noch einmal an ihre großen Erfolge am Gärtnerplatz erinnerte. Ein Kapitel, das noch längst nicht beendet ist, denn im nächsten Jahr wird man auch sie noch einmal in Franz Winters Inszenierung der "Csardasfürstin" erleben können. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja sogar ein Wiedersehen beim nächsten Runden, wenn das Haus seinen 150. Geburtstag feiert.

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