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200. Jahrestag der berühmten Schlacht

Als Napoleon sein Waterloo erlebte

Die Schlacht von Waterloo ist von Mythen umwoben. Bei Licht besehen war sie ein Himmelfahrtskommando, mit dem Napoleon seinen Untergang besiegelte.

Gerstenfelder, so weit das Auge reicht. Vor 200 Jahren versteckten sich darin Napoleons Soldaten vor den alliierten Truppen von General Wellington und den Preußen. Die Gräser bedecken ein Stück Land, auf dem sich, je nach Schätzung, rund 150 000 Soldaten blutige Kämpfe lieferten. Binnen Stunden starben am 18. Juni 1815 viele Tausende bei Waterloo, 15 Kilometer von Brüssel entfernt. Napoleon lieferte sein letztes Gefecht. Haarsträubend die strategischen Fehler, die dem Taktikgenie unterliefen; aussichtslos das Ziel, mit Gewalt die Herrschaft zu erlangen.

Denn eigentlich war Napoleon schon vor Waterloo ein geschlagener Mann. Ein Jahr zuvor, am 3. Mai 1814, erreichte der abgesetzte Kaiser der Franzosen sein Exil auf der Mittelmeerinsel Elba. Fast ganz Europa hatte der gebürtige Korse beherrscht. Während der geschrumpfte Monarch auf Elba statt Armeen zu befehligen die Ausleuchtung von Latrinen verbesserte, trafen sich ab Herbst 1814 die Siegermächte beim Wiener Kongress, um Europa neu zu ordnen.

Doch Frankreich kam nicht zur Ruhe. Napoleons Nachfolger König Ludwig XVIII. musste eine neue Verfassung installieren. Als die Regierung dann auch noch das Militär gegen sich aufbrachte, sah Napoleon seine Stunde gekommen. Am 1. März 1815 ging er mit wenigen Getreuen an der Côte d’Azur an Land, um von dort aus in drei Wochen nach Paris zu marschieren – ohne einen Schuss abzugeben. Seine Prophezeiung schien sich zu bewahrheiten: „Der Adler mit den Farben der Nation wird von Kirchturm zu Kirchturm bis zu den Türmen von Nôtre-Dame fliegen.“ Gar so federleicht war das riskante Spiel nicht. Napoleon profitierte vielmehr von prominenten Überläufern wie Marschall Michel Ney, der ihm schon im Russlandfeldzug 1812 den Rücken freigehalten hatte. Dem König Ludwig XVIII. versprach Ney der Legende nach, seinen einstigen Befehlshaber im Eisenkäfig herbeizuschaffen – kurz darauf lief er über. Der König musste weichen, Napoleon war wieder Herr im Haus. Quasi postwendend machten seine Gegner mobil.

Zunächst schien das Glück bei Napoleon – wieder einmal. Bei Quatre-Bras hielten seine Truppen am 16. Juni die Briten und ihre Verbündeten in Schach, während sie den Preußen bei Ligny eine Niederlage zufügten. Deren Kommandant Blücher entging knapp dem Tod, als er im Kampf unter seinem Pferd begraben wurde. Damit wankte der Plan der Alliierten, ihre Kräfte bei Waterloo zu vereinen. Legendär der Stoßseufzer des auf Entsatz wartenden Wellington: „Wolle Gott, es wäre Nacht oder die Preußen kämen!“

Sie kamen. Blücher, der seine Prellungen mit Knoblauchtinkturen behandelte, griff rettend ein. Napoleon hatte getönt: „Messieurs, wenn meine Befehle richtig ausgeführt werden, werden wir heute in Brüssel nächtigen.“ Es kam anders.

Von J. Heinz und S. Glaubitz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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