Narren im Haus der Kunst

- Masken und Maler, Freiheit und Fanatiker, Top-aktuelles und Traditionelles. Dass diese oft Schein-Gegensätze sind und eigentlich zusammengehören, will Chris Dercon, der neue Chef des Hauses der Kunst, beweisen. Und da passt das Faschingstreiben naturgemäß hinein. Dercon spricht gern - und bisweilen arg intellektuell - von Grenzüberschreitungen zwischen den Gattungen bildende Kunst, Theater bis hin zum Design; träumt von Synergien, Symbiosen und Synästhesien - wie sich's halt für g'standene Theoretiker gehört. Aber er tut auch was. Bleibt nicht auf dem sicheren Trockenen der Absichtsbekundung, sondern springt in schwer abschätzbare Tiefen: Da wo Erfolg, Scheitern, Begeisterung oder Häme und Ablehnung lauern.

<P>Der Kostüm-Ball im Haus der Kunst gehört dazu (Motto "Azteken", 21. Februar, 20 Uhr; Kinder ab 13 Uhr). Genauso wie der offensive Umgang mit den diversen Künstlervereinigungen, aus deren Reihen jetzt zu jeder Ausstellung ein Kollege mit einem Preis geehrt wird. Die Maschkera-Azteken kommen! Und eine oft altbackene Kunst! Gleichzeitig Hochkarätig-Zeitgenössisches zwischen sehr kühl und sehr verspielt! All das selbst schon Fastnachts-Narren-Chaos? Karnevaleskes Herumtanzen auf der Ordnung hochnäsiger Kunstpriester? Hier Pfui-Altmodisches, dort Hui-Angesagtes. Dercon lässt die Gegensätze einfach ungeniert zu: leben und leben lassen im dicken Bauch des Hauses der Kunst.</P><P>Traditionsbewusster als die meisten Münchner selbst erinnert er an die Nachkriegszeit, in der die Künstler-Feten in Hitlers aggressivem Kunstausgrenzungs-Tempel so himmelhoch jauchzend waren, weil sie Befreiung symbolisierten. Von den Nazis, vom Krieg. Dazu gehörte der Aufbruch in eine Zukunft der Wahrhaftigkeit (gegen Kunst als Propaganda), den die heute häufig belächelten Künstlergruppen ermöglichten und vorantrieben. </P><P>So wird verständlich, dass Chris Dercon ihnen und ihrem Fasching die Reverenz erweist. Und zugleich das Innere des Hauses der Kunst nach und nach auf die ursprüngliche (NS-)Architektur zurückführt. Keine Angst vor Geschichte also: ob Fasching, ob Faschismus.<BR><BR></P>

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