Naturkulisse

- Münchens Galerien bieten derzeit ein aufregend facettenreiches Ausstellungsgut: Es glühen Herdplatten unter Starkstrom an den Wänden. Fotokunst erfasst Natur als Augentäuschung. Bewegte malerische Gestik komponiert Detailblicke auf Landschaftsausschnitte und Porträts. So unterschiedlich die Werkgruppen und Künstler auch sein mögen, sie haben eins gemein: eine auffallende Rückkehr zum Gegenständlichen.

<P>"Things" lautet ergo der lakonische Titel der Skulpturenschau von Richard Artschwager, Peter Fischli, David Weiss und Rosemarie Trockel in der Galerie Sprüth/Magers. Mit selektivem Blick hat man hier die Objekte in Dialog treten lassen. Trockels Themenpolitur "Alltag Frau" verdichtet sich zum abstrakten Bild und zur Skulptur: Herdplatten sind auf weiße Emailleflächen montiert oder auf freistehende Quader. </P><P>Daneben Artschwagers Holz-Aluminiumskulptur "Table": Eine Tischlein-deck-dich-Assoziation, die bewusst das Handwerkliche betont und Kunst als Transportkiste transportiert. Das scheinbare Wohninterieur ergänzt die Kunst von Fischli und Weiss: Auf weißen Sockeln haben sie Vom Fressnapf zum Grizzlybär Alltagsdinge wie einen Fressnapf überhöht. Das Material - schwarzer Vollgummi - will Abnormität und Gefährlichkeit vermitteln. (Bis 20. Dezember, Schellingstraße 48, Tel.: 089/ 330 40 600.) <BR><BR>Dagegen zeigt die Galerie Karl Pfefferle neue Bilder von Rainer Fetting, dem einstigen "Jungen Wilden". Fetting, vor allem bekannt durch seine krachend expressiven Großstadtbilder, hat diesmal das Schilf als Vorwand genutzt, innerhalb seiner Grammatik aus Pinselhieben immer wieder unterschiedliche Wirkungen, gewissermaßen ein Flechtwerk, zu erzielen. So wenig es sich hier um wirklich protokollierte Naturszenen handelt, so sehr gilt es, in den Porträts abermals das menschliche Selbst-Bild expressionistisch zu etablieren.</P><P> Die Schraffuren an Hals, Wangen-, Kinn- und Augenpartie von "Andrea" wirken wie Kaltnadelstiche einer Radierung. Dieser zeichnerisch, verletzende Malakt unterläuft so das eigentlich Malerische. (Bis 20. 12. Rumfordstraße 29, Tel.: 089/ 29 79 69.) <BR><BR>Schon ganz genau hinschauen, muss man bei der großformatigen Fotokunst von Alexander Timtschenko, einer irreführenden Stilisierung von Schönheit, in der Walter Storms Galerie. Wer glaubt, hier biete sich ein üppig paradiesisches Natur-Panorama von ungeheurer Tiefenstaffelung, hat sich verrechnet. Zwar rankt und grünt es überall oder trottet ein Grizzly weit hinter einem kleinen Weiher durch satte Flora. </P><P>Doch immer erweist sich nur ein einzelner Baum als echt. Die restliche Landschaftskulisse ist gemalt. Die Kunst: Timtschenko hat Dioramen, Naturkulissen für Pflanzen aus naturwissenschaftlichen Museen so festgehalten, dass er ein künstliches Natur-Neoambiente schafft. Subtil enthüllen seine Bilder das Programm doppelter, mehrfacher Welten. Daneben lässt er uns in unwirkliche Ansichten der Traumstadt schlechthin, in Las Vegas, eintauchen. Ferner können wir in seinen bedrohlichen Film-Stills den nur vermeintlich ruhigen Moment vor dem "shocking moment" erahnen. (Bis 1. 1. 03, Ismaninger Straße 51, Tel.: 089/ 41 90 28 28.) <BR></P> 

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