Neigung zur Melodie

- Berührungsängste zur Unterhaltungsmusik hat Peter Herbolzheimer nie gehabt. "Ich habe die Neigung zur Melodie, zur Verständlichkeit der Musik", sagt der Posaunist, Komponist und Arrangeur aus Köln, der am Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. Dem Jazz gehört seine Liebe, doch bekannt geworden ist er durch Auftritte in "Bio's Bahnhof" und seine Filmmusik.

Geboren und aufgewachsen ist Herbolzheimer in Bukarest. Als 16-Jähriger kam er nach Deutschland, lernte Gitarre spielen und ging 1953 für vier Jahre in die USA. "Im Deutschland der 50er-Jahre habe ich mich nicht wohl gefühlt. Alles war grau in grau, die Atmosphäre im Vergleich mit Rumänien kalt und  unpersönlich." In Amerika hat er den Jazz intensiver kennen gelernt, ohne jedoch die Musik schon in den Mittelpunkt seines Lebens zu rücken. In Detroit ließ er sich zum Technischen Zeichner ausbilden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begann er 1958 ein Musikstudium in Nürnberg und wechselte von der Gitarre zur Posaune.

Vorliebe für große Ensembles

"Ich hatte einen elektrischen Verstärker, der gekratzt und gescheppert hat. Es war lästig, dass man seinen eigenen Ton nicht formen konnte. Deshalb habe ich die Posaune gewählt, um Herr meiner eigenen Töne zu sein." Ähnlich war seine Motivation, sich nicht nur mit dem Spielen von Musik zu begnügen, sondern sie selbst zu schreiben und zu arrangieren.

1969 gründete er seine "Rhythm Combination & Brass", die in kurzer Zeit zu den besten Bigbands Europas aufstieg und die er bis heute leitet. Herbolzheimers Vorliebe für große Jazz-Ensembles ist ungebrochen: "Um Klänge zu verwirklichen, ist das große Orchester prädestinierter als die Combo, da gestaltet man in jedem Konzert neu. In der Bigband schafft man jedoch etwas, das man wiederholen kann."

Seit 1987 kümmert sich Herbolzheimer nicht mehr allein um seine Karriere, sondern ist auch Leiter des Bundesjugend-Jazzorchesters. "Ich habe das aus Verantwortungsgefühl begonnen, da es damals an den Hochschulen keine Jazz-Ausbildung gab." Ein Ende seiner Laufbahn als Solist und Bandleader ist nicht in Sicht. "Da ich nie angestellt war, ist mir der Rentner-Gedanke nicht vertraut."

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