Französische Schauspielerin Danielle Darrieux gestorben

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Neil Young spielt die Olympiahalle in Grund und Boden

Der große Rockmusiker Neil Young hat in der Münchner Olympiahalle am Mittwoch möglicherweise eines der besten Konzerte gegeben, die dieses Mega-Zelt je beherbergt hat.

Dass der 63-jährige Kanadier dazu dank seiner herausragenden Songs in der Lage ist, war bekannt. Dass er die Arena in Grund und Boden rocken würde, das hat die Fans im nur zu knapp zwei Dritteln gefüllten Rund dann aber doch überrascht.

Young – der als junger Bursche neben den Superstars „Crosby, Stills & Nash“ aussah wie ein grimmiger Indianer und heute wie der zauselige Fallensteller Sam Hawkins aus „Winnetou“ – spielt an diesem Abend von seinem aktuellen Material kaum einen Ton. Was ihn aber keineswegs in die Nähe gemütlicher Oldie-Abende à la „Eagles“ bringt. Denn es kommt ja auch auf das „Wie“ an: Young tritt mit einer Band, die aussieht wie Heilsarmisten im Ruhestand, vor sein Publikum und beschießt es von vorneherein mit alten Klassikern der rockigsten Sorte: „My My, Hey Hey“, „Mansion On The Hill“, „Everybody Knows This Is Nowhere“, „Words“, die surreale Ballade „Pocahontas“ in einer atemberaubenden Krawall-Version. Er wippt und windet sich und würgt seine Gibson-Gitarre wie ein Berserker.

Hier zeigt sich einmal mehr: Young kann Country, er kann Folk, aber eine Offenbarung ist der Mann im ausgewaschenen grauen Hemd, wenn er die Elektrische malträtiert, dass sie klingt, als habe sie einen epileptischen Anfall. Da braucht’s keine große Bühnenshow – es gibt nur die Musiker, die sich auf dem Radius eines Bierdeckels bewegen, darunter der großartige Steel-Gitarrist Ben Keith und Peggy, Youngs Frau, die Harmony singt. Dazu eine kleine Indianerfigur am Bühnenrand und Kirmesbeleuchtung. Fertig.

Nach einem leiseren Zwischenteil mit akustischen Songs wie „Comes A Time“ und „Don’t Let It Bring You Down“ lässt der Wüterich dann seinen sechssaitigen Kettenhund vollends von der Leine: Der Hardrocker „Cinnamon Girl“ kulminiert in den Höhepunkt des Abends: „Down By The River“, eine Viertelstunde, in der Young in seinem selbstproduzierten Gitarren-Gewitter wirkt, als sei er vollkommen abwesend. Der halluzinierende Schamane eines alten Naturvolks, ein tanzender Derwisch in Ekstase, einem vollkommenen dionysischen Rausch – der Draht zu den Göttern, der sich auch auf die Zuhörer überträgt. „Be on my side“, singt der brüchige hohe Tenor mantra-artig.

Ach ja, irgendwann sagt er auch noch: „Wie geht’s Euch? Es ist großartig, zurück zu sein.“ Dann peitscht er seine Fans mit „Rockin’ In The Free World“ zu Begeisterungsstürmen. Zur Zugabe donnert er ihnen „A Day In The Life“ von den Beatles um die Ohren. Als der Wüterich von der Bühne stapft, hängen die Saiten in Fetzen von der Gitarre.

Ein Wunder, dass die Olympiahalle noch steht.

Johannes Löhr

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