Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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Die britische Gruppe Yes hat sich verjüngt: Alan White, Chris Squire, Benoit David, Steve Howe (und rechtes Bild) sowie Oliver Wakeman (v.li.).

Interview mit Steve Howe von "Yes"

„Nein, ich will nicht zurückgehen“

München - Wir sprachen mit Steve Howe über die neue Zusammensetzung seiner Band Yes, die Musik der 70er-Jahre, Hits und den Erfolg.

Konzert am 7. Dezember in der Münchner Philharmonie; Karten ab sofort erhältlich unter der Telefonnummer: 0180/54 81 81 81.

Yes? Waren die nicht eines dieser vielen ,One-Hit-Wonders‘ in den 80ern? Das hört man oft, wenn es um die britische Band geht, die mit „Owner of a Lonely Heart“ 1983 ihren einzigen großen Radio-Hit hatte. Nur wenige erinnern sich daran, dass Yes einmal als Flaggschiff des „Progressive Rock“ galten.

In den 70er-Jahren begeisterte die Gruppe Fans wie Musikwissenschaftler mit epischen Kompositionen, die oft mehr an klassische Sonaten als an Rocksongs erinnerten. Heute haben Yes eine 40-jährige Achterbahnfahrt durch wechselnde Stilrichtungen und Besetzungen hinter sich. Vor ihrem Münchner Konzert am 7. Dezember spricht Gitarrist Steve Howe (62) über die Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln.

Seit 40 Jahren gelten Sie als Weltklasse-Gitarrist. Versuchen Sie immer noch, besser zu werden?

(Lacht) Nach ungefähr 25 Jahren habe ich mich da ziemlich entspannt. Seither geht es mir nicht mehr darum, etwas zu beweisen. Ich will nicht mehr als Gitarrist besser werden, sondern als Musiker – das heißt, vielseitiger, interessanter werden. Ich übe auch nicht so wie andere Gitarristen. Statt Fingerübungen zu machen, improvisiere ich viel.

Auf Tour müssen Sie nun mit weit jüngeren Musikern mithalten. Statt dem legendären Yes-Keyboarder Rick Wakeman greift dessen Sohn Oliver in die Tasten. Wie fühlt sich das an?

Für uns Ältere sehr gut! Wir brauchten einen Ersatz für Rick, der nicht weitermachen wollte – und Oliver ist ihm in seinem Stil zum Verwechseln ähnlich. Und es ist sehr erfrischend für ältere Musiker, mit einer jüngeren Generation zu arbeiten.

Für mich war es wichtig, jemand zu finden, der die Ausdauer und Leidenschaft hat, die ich immer noch verspüre. Oliver ist ein perfektes Beispiel dafür. Und wenn er dabei ist, fühlt sich Yes ein bisschen wie eine Familie an.

Auch Sänger Jon Anderson geht nicht mit auf Tour. Kann man seine prägende, feenhafte Stimme überhaupt ersetzen?

Das war eine Herausforderung – aber auch eine große Chance. Benoit David, unser neuer Sänger, hat eine tolle Bühnenpräsenz und er genießt es, Yes-Stücke aus sämtlichen Schaffensphasen zu singen – er kennt sie alle auswendig. So können wir ein Programm zusammenstellen, an dem die Band richtig Spaß hat – das überträgt sich aufs Publikum.

Ist die neue Tour nun eine Reise zurück zu den Wurzeln?

In gewisser Weise. Aus den 80ern – als Yes eine eher eingängige Musik machte – spielen wir nur „Owner of a Lonely Heart“, außerdem einige Stücke aus den späten 90ern.

Ein großer Teil des Programms stammt aber aus den 70er-Jahren – das ist die Musik, die uns wirklich interessiert.

Damals komponierte Yes hochkomplexe, teils 20-minütige Songs – und hatte damit Erfolg. Mal ehrlich: Wünschen Sie sich manchmal in diese Zeiten zurück?

(Lacht) Wissen Sie, wenn man jung ist, hat man viele Träume. Aber wenn man älter wird, merkt man, dass ein gewisser Realismus gepaart mit Zukunftsdenken ganz produktiv sein kann. Ich weiß aber, was Sie meinen: Die 70er-Jahre waren ein enormer Höhenflug.

Die Zeit passte einfach. Yes, aber auch Bands wie Genesis oder ELP, waren echte Größen, obwohl wir uns nicht drum scherten, ob unsere Platten Hits werden würden. Hits haben wir sogar als musikalischen Ausverkauf verachtet. Die 70er waren eine Zeit der Blüte, des Überflusses. Aber das hatte auch seinen Preis.

Wie meinen Sie das?

Viele Leute gingen sehr dumm mit ihrem Erfolg um: mit Geld, ihrem Leben – mit Drogen. Nehmen sie Keith Moon (von The Who, der 1978 an einer Überdosis Pillen starb, d. Red.). Was für ein toller Drummer und Entertainer! Aber er übertrieb die Dinge, in denen er gut war: das Schlagzeugspielen wie das Partymachen. Ich wollte nie so zum Opfer werden. Nein, ich will nicht zurückgehen. Nach vorne ist der einzig richtige Weg.

Kann man denn heute mit anspruchsvoller Rockmusik überhaupt noch erfolgreich sein?

Ich denke, es ist möglich. Viele junge Bands spielen mir ihre Alben vor – und eine Menge davon ist ziemlich anspruchsvoll. Ich glaube, heute gibt es nicht mehr den einen Musikmarkt, sondern viele Märkte. Yes wird natürlich nie die Rapmusik verdrängen. Ich kann Rap nicht leiden, aber viele Leute schon. Doch es gibt eine Menge anderer Nischen, in denen man Erfolg haben kann. Und vielleicht können ein paar 60-jährige Progressivrocker wie wir ja irgendwann nochmal ein aufregendes Album machen, das einen Nerv trifft – gerade weil es unmodisch ist. Vielleicht ist das dann doch ein verwegener Traum von mir. Aber es ist ein schöner.

Das Gespräch führte Johannes Patzig.

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