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Nena: „Ich habe keinen Tag bereut bisher“

Am Freitag erscheint Nenas neues Album „Made in Germany“. Die Ikone der „Neuen Deutschen Welle“ wird demnächst Oma

In einem halben Jahr wird sie 50, in ein paar Wochen Oma und am Freitag erscheint ihr neues Album „Made in Germany“. Vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum meldet sich Sängerin Nena mit kurzen Haaren und gewohnten Themen zurück. Es geht auf der Platte um „Begegnung, Wachstum, Mut, Schmerz, Wut und Bewegung – mein Album ist eine Liebeserklärung ans Leben“, sagt die 49-Jährige im Interview. Es klingt dabei mal langsam, mal schnell, mal traurig, mal leicht – feinster Pop, zwischendurch rockig.

Zwei Lieder hat sie gemeinsam mit ihrem Sohn Sakias (19) aufgenommen. Ab April 2010 tourt Nena mit dem Album durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Nach 30 Jahren unter Vertrag bei großen Plattenfirmen veröffentlicht die einzige „Überlebende“ der „Neuen Deutschen Welle“ zum ersten Mal auf ihrem eigenen Label.

Mit alten Weggefährten wie Derek von Krogh aus ihrer Band und Ex-Produzent Reinhold Heil hat Nena eineinhalb Jahre an den 13 Songs gearbeitet. Keinen Erfolg damit zu haben wäre schon „schon enttäuschend. Ich mache Platten ja auch, damit man sie hört“, sagt Nena, die im Jahr 1960 als Gabriele Susanne Kerner in Hagen (Nordrhein-Westfalen) zur Welt kam. Nach einer Lehre als Goldschmiedin gelang ihr im Jahr 1983 mit „99 Luftballons“ der internationale Durchbruch als Musikerin. Den Song „Made in Germany“ hat sie zuletzt geschrieben, eigentlich war die Platte schon fertig. „Wobei ich so ein Lied über Deutschland schon seit drei oder vier Jahren machen wollte“, nur der richtige Ansatz habe ihr noch gefehlt.

„Ich hatte einfach Lust, mal zu sagen, dass ich gerne hier lebe.“ Im 60. Geburtsjahr der Bundesrepublik könnte das Lied zur modernen Hymne werden. „Ich hab immer mal überlegt, ob ich nach Italien, Spanien oder sogar noch weiter weg gehe. Ich reise total gerne, aber es ist jedes Mal schön, wieder nach Hause zu kommen“, findet Nena, die mit ihrem Freund Philipp Palm und ihren vier Kindern im Hamburger Stadtteil Rahlstedt lebt. Ihr Alter beunruhigt die Sängerin nicht – im Gegenteil: „Je älter ich werde, desto mehr Möglichkeiten bieten sich. Ich bin offener für die freie Entfaltung, nicht mehr so angstbesetzt.“ Älterwerden sei etwas Heiliges, sie gehe mit ihrem Leben viel bewusster um als noch vor 20 Jahren. „Wir verbinden das in dieser Gesellschaft oft mit etwas Negativem, das ist für mich nicht so.“

Eine erste Lebensbilanz zu ziehen, fällt Nena jedoch schwer. „Ich hab keinen Tag bereut bisher“, sagt sie mit fester Stimme. Gleichzeitig finde sie es unheimlich erholsam, nicht in Erinnerungen zu schwelgen: „Das wäre so meine Bilanz – dass es Vergangenheit und Zukunft nicht gibt.“ Ihre 19-jährige Tochter Larissa erwartet demnächst ihr erstes Kind. Oma zu werden, fühle sich gut an, meint Nena. Ihrem ersten Enkelkind möchte sie aber „gar nichts“ mit auf den Weg geben: „Kinder kommen auf die Welt und haben ihren eigenen Weg. Jedes Leben hat ein Recht auf eigene Entfaltung.“ Diese Philosophie steckt auch hinter der Privatschule, die Nena vor zwei Jahren mitgegründet hat. Die Schüler entscheiden dort nach Vorbild der „Sudbury Valley School“ selbst, wann, was und wie sie lernen.

Auf „Made in Germany“ erzählt Nena auch von der Liebe. Seit über 15 Jahren ist sie mit dem zwölf Jahre jüngeren Philipp Palm liiert, mit dem sie zwei Kinder hat. „Es gibt immer wieder auch leere Momente, wo man sich nichts zu sagen hat und sich aus dem Weg geht“, sagt sie. Doch es müsse Liebe sein, „sonst würde uns das nicht tragen.“

Von Christina Lohner

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