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„Ich genieße, einen Beruf auszuüben, der Spaß macht.“ Die Sängerin Kim Wilde feiert ein erstaunliches Comeback.

„Nena hat mich inspiriert“

München - Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Kim Wilde über die Achtzigerjahre, das Gärtnern, ihre Auszeit und Rückkehr.

Wenn ein Rockstar überhaupt in Würde altern kann, dann zeigt Kim Wilde, wie es geht: Die 50-Jährige versucht nicht krampfhaft, wie eine Jugendliche auszusehen. Trotzdem – oder eher deswegen – wirkt Wilde recht jung, als sie für ihr neues Album „Snapshots“ mit Coverversionen ihrer Lieblingslieder wirbt. Unaufgeregt und sehr entspannt plaudert die Britin über ihr unverhofftes Comeback und das Glück jenseits des Showgeschäfts. Denn mit der Musik hatte sie eigentlich schon Mitte der Neunzigerjahre abgeschlossen – und zurückgezogen als Mutter und Gärtnerin gelebt.

Hätten Sie vor ein paar Jahren geglaubt, dass Sie je wieder Interviews geben und auftreten werden?

Nein, das Kapitel Musik war für mich vorbei. Ich hatte geheiratet, Kinder bekommen und widmete mich der Gärtnerei. Mit Musik kam ich nur durch Zufall wieder in Berührung, als Nena im Jahr 2003 mit mir ein Duett aufnahm. Für mich war es einfach nur ein netter Ausflug aus dem Alltag. Aber es wurde ein Hit, und Nena hat mich wirklich inspiriert, es wieder ernsthaft anzupacken.

Heute wirken Sie viel entspannter auf der Bühne als in den Achtzigern. Täuscht das?

Nein, das stimmt schon. Heute macht es mir mehr Spaß als vor 25 Jahren. Ich denke, das liegt an der Auszeit, die ich mir genommen habe. Als ich zurückkam, war ich überwältigt davon, dass es da ein Publikum gab, das mich immer noch hören und sehen wollte. Das hat mich völlig überrascht, aber mir auch viel Energie und Freude gegeben, die sich jetzt auf der Bühne überträgt.

Musiker reagieren oft sauer, wenn man sie immer auf ihre alten Erfolge reduziert.

Ich war so lange weg, dass ich es nun genießen kann. Wenn ich mich als Musikerin immer weiter durchgeschleppt hätte, würde es mich heute vielleicht auch nerven. Aber so, wie es gelaufen ist, macht es viel Spaß.

Ihre neuen Alben klingen sehr nach Achtzigerjahre. Ist das Absicht oder ergibt es sich einfach?

Ich weiß nicht – der Klang passt einfach zu meiner Musik und zu meiner Stimme. Es ist das Richtige für das, was ich tue. Mittlerweile ist es wohl eine Art Markenzeichen.

Jetzt gibt es wieder sehr viele junge erfolgreiche Bands, die diesen Sound aufleben lassen. Macht Sie das stolz?

Ja, denn man hat sich oft über die Musik der Achtziger lustig gemacht. Aber jetzt können wir zurückblicken und sagen: Da waren schon ein paar wirklich gute Sachen dabei. Lieder, die die Jahre überstanden haben und immer noch funktionieren. Pop war eine Zeitlang ein schmutziges Wort, jetzt es wieder cool.

In Deutschland wussten wir überhaupt nicht, was Sie gemacht haben, nachdem Sie sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatten.

Ich habe Gartenarbeit betrieben – professionell. Es war nicht geplant, aber ich hatte eine ganz neue, völlig andere Karriere nach der Musik. Ich war sogar auf dem College, um Landschaftsgärtnerei zu studieren. Die Musikindustrie habe ich nicht vermisst. 1988 war ich im Vorprogramm von Michael Jackson und damals habe ich begonnen, mich zu fragen, ob es sich lohnt, diesen Preis für den Erfolg zu zahlen: Einsamkeit und ein sehr extremer Lebensstil. Ich entschied: Nein – und das war es dann erst mal. Aber ich habe während meiner Auszeit weiter alle Arten von Musik gehört. Nur für Popmusik habe ich mich nicht mehr so interessiert, als Bands wie die Spice Girls auftauchten. Das war schon ein Tiefpunkt, muss ich sagen. Aber ich finde die Musikszene derzeit wieder sehr aufregend. Es gibt viele immens talentierte junge Bands.

Sie hatten etwas, wofür beispielsweise Robbie seine Seele verkaufen würde: einen Nummer-1-Hit in den USA. Aber Sie haben nie versucht, dort Karriere zu machen. Keine Tournee, keine Fernsehauftritte…

Es war einfach zu weit weg, und ich fühle mich in Europa sehr wohl. Strategisch war das vielleicht falsch, aber ich habe nie strategisch entschieden, sondern instinktiv. Und ich bin damit auch nicht so schlecht gefahren, sage ich jetzt mal.

Sie sind einer der wenigen Stars, über den nie etwas in den Klatschspalten steht. Das wirkt, als ob Sie Platten aufnehmen, Konzerte geben und dann einfach nach Hause gehen.

So ist es ja auch. Ich habe nie mit berühmten Leuten in angesagten Clubs gefeiert oder dergleichen. Ich habe eine Familie, meinen Garten und genieße, einen Beruf auszuüben, der Spaß macht. Für Schlagzeilen ist das zu langweilig, schon klar. Aber mir ist das recht.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

So klingt Kim Wildes neue CD „Snapshots“

Beflügelt vom Erfolg ihres Comebacks hat Kim Wilde eine Auswahl ihrer Lieblingslieder neu aufgenommen. Eine breite Palette von Hits aus fünf Jahrzehnten im anheimelnden Achtzigerjahre-Sound und mit Wildes immer noch heller Klein-Mädchen-Stimme. Nicht alles ist zwingend, aber Wildes Version des alten Cilla-Black-Hits „Any Who Had A Heart“ hat wirklich Seele und Mike Oldfields „To France“ klingt bei ihr besser als das Original. Die perfekte Platte für Nostalgie-Partys oder Klassentreffen.

Kim Wilde: „Snapshots“ (Sony)

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