Neros Liebeshysterie

- Debüts und Umbesetzungen bis hin zur Titelfigur hatten das Betriebsbüro der Bayerischen Staatsoper vor der Dernière von Monteverdis "L'incoronazione di Poppea" (am Freitagabend im Münchner Prinzregententheater) in Atem gehalten. Doch als Ivor Bolton mit seiner kleinen, feinen Barock-Truppe Fortunas Schmähungen der Virtù` anstimmte, und Hannah Esther Minutillo (die auch noch Pallade und Venere übernommen hatte) dabei so frisch zu Werke ging, waren die Weichen Richtung Erfolg gestellt.

David Aldens poppig-freche, neun Jahre alte Barock-Inszenierung hat ihren Witz bewahrt, gewährt Raum für viel Komik, aber auch für die ernsteren Momente. Als Nerone faszinierte Jacek Laszczkowski rundum: Er treibt allein mit seinem hellen Altus den Liebestollen in die Hysterie und streift dabei nie die Karikatur. Poppea, das Objekt seiner Begierde, war nicht Anna Caterina Antonacci, die nach einer Krankheit die Partie "abgelegt" hat. Ihn und vor allem das Publikum überraschte Margarita De Arellano. Als laszive, siegesgewisse Poppea trumpfte sie darstellerisch und stimmlich souverän auf - bis in ungewohnte Tiefen und erotisch schillernde Zweigesänge.

Als Debütanten keineswegs auszumachen, fügten sich Gemma Bertagnollis temperamentvoll überdrehte Drusilla und Sami Luttinens mit einem satten, dabei koloraturflinken Bass ausgestatteter Seneca perfekt in den schrägen Hofstaat. Dem natürlich Dominique Visse als altgediente Arnalta und Nutrice den schrillen Overkick versetzte. Als Betrogene "verbündeten" sich der Poppea-Galan Ottone (zuverlässig: Axel Köhler) und die entthronte Kaiserin Ottavia, deren (Rache-)Gefühlen Danilea Sindram mit klangschönem Mezzo Ausdruck gab.

Dass vom stimmlich reizvollen Amore aus dem Tölzer Knabenchor quer durch die Götter-Riege bis hin zu den römischen Konsulen und Tribunen alle topfit dabei waren - Auffrischer Alden wachte in der ersten Reihe -, unterstrich, wie frisch diese (vielfach umbesetzte) Poppea die Jahre überstanden hat. Natürlich auch dank Ivor Bolton, der als nimmermüder, inspirierender Animator aus Monteverdis Partitur jedes Mal Funken schlägt. Großer Abschiedsjubel.

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