Nervöser Enterich

- Von fliegenden Fischen hat man ja schon gehört. Aber singende Fische? Auch die gibt es. Nun ja, zumindest in Sergiu Celibidaches "Taschengarten", den auch sonst so manch seltsames Getier bevölkert. Der Name des rumänischen Dirigenten ist gerade in München auch zehn Jahre nach seinem Tod noch in den Herzen der Konzertbesucher lebendig.

Doch dass Celibidache auch als Komponist aktiv war, dürfte bislang wohl nur den wenigsten ein Begriff sein. Umso verdienstvoller, dass nun die Junge Münchner Philharmonie im Gedenken an den legendären Maestro dessen "Taschengarten" zur Aufführung brachte, der damit erstmals öffentlich in einem Konzert zu erleben war.

Vor den Ohren der Zuhörer öffnete sich dabei ein klingender Garten. In ihm tummeln sich neben singenden Fischen auch zwei frisch verliebte Igel oder ein nervöser Enterich, dessen schnatternde Predigt von Celibidache ebenso prägnant und humorvoll in Noten eingefangen wurde wie die Stimme des Windes, deren flirrende Streicher an die Tonsprache eines Ravel oder Debussy erinnern.

Nach dem Komponisten war der zweite Teil des Abends dem Interpreten Celibidache gewidmet, in dessen Leben die Symphonien Bruckners stets eine herausragende Rolle gespielt hatten.

Vergleiche mit der Interpretation des Vorgängers wären bei der hier zu hörenden "Achten" dennoch ebenso unfair wie unangebracht. Zumal es Dirigent Mark Mast durchaus gelang gemeinsam mit seinem engagiert aufspielenden, jungen Orchester einen eigenen Zugang zu diesem monumentalen Werk zu finden. Lediglich im feierlich langsamen Adagio schien der große Celi seinem ehemaligen Schüler kurz über die Schulter zu blicken, ihn zu mehr Ruhe und zum Verweilen zu ermahnen. Doch auch im Konzertleben bleibt die Zeit nicht stehen, bringen neue Generationen von Künstlern neue Ideen. Vergessen wird man Sergiu Celibidache aber trotzdem nie. Ob nun als Dirigenten, Lehrer oder eben jetzt auch als Komponisten.

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