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Er versteht sein Geschäft: Peter Maffay animiert seine Fans in München zum Mitsingen.

Der Nestor des Deutschrock

München - „Wenn das so ist“: Peter Maffay hat im ausverkauften Münchner Zenith sein 23. Studioalbum vorgestellt.

Nicht Herbert Grönemeyer, nicht Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen schon gleich gar nicht ist der erfolgreichste deutsche Rockmusiker – es ist Peter Maffay. Das ist nach den Daten der Marktforscher von Media Control amtlich. Da jault das Feuilleton natürlich schon bundesweit auf, weil Herr Maffay ja gar kein Rocker sei.

Maffay, mittlerweile 64, hat sich im Lauf der Jahre erst vom Schlager, später dann vom gefälligen Deutsch-Pop gelöst, und es ist ihm längst egal, was die Kritiker schreiben. Er mache Rockmusik, sagt er – und bei der Präsentation seines 23. Studioalbums, „Wenn das so ist“, im ausverkauften Münchner Zenith tritt er lautstark den Beweis an. Bevor er aber live die Titel seiner neuen Platte vorstellt, schickt er erst eine Witzfigur auf die Bühne, um die Spannung noch zu steigern.

In diesem Fall ist es ein gewisser Joko Winterscheidt, bekannt aus Sparkassen-Werbung und Infantil-Fernsehen, der mit seinem unerbittlichen Spackotum tatsächlich derart nervt, dass man bald unwillkürlich Maffays Auftritt herbeisehnt – selbst wenn man gar kein Fan ist. Genauso haben es die Rolling Stones im Jahr 1982 bei ihrem Konzert in München übrigens mit Maffay gemacht. Der hat seine Lektionen gelernt.

Damals in München haben ihn die Zuschauer mit allem beworfen, was greifbar war, und heute liegen sie ihm zu Füßen, weil er ein Profi geworden ist, dem man abnimmt, was er da auf der Bühne treibt. Mit dem freundlich lärmenden „Niemals war es besser“ gibt Maffay die Marschrichtung vor, und die tendiert eindeutig zu einem überraschend erdigen Sound, der sich an Southern Rock und generell an dem orientiert, was man gemeinhin mit dem Begriff „Americana“ beschreibt. So wird das bei „Wenn der Himmel weint“ dann etwas melodischer fortgeschrieben und bei „Wer liebt“ mit knarzenden Gitarrenakkorden und Everette Harps leidenschaftlichem Saxofon erweitert.

Zwischendurch erklärt Maffay, wie die Lieder zustande kamen, und gibt recht überzeugend den Elder Statesman des Deutschrock. So richtig locker wirkt das nicht, was mit der Liveübertragung dieses Konzerts in 72 Kinosäle mit 20 000 Zuschauern in ganz Deutschland zusammenhängen mag.

Hin und wieder spielt er Songs, die nicht weiter stören, aber das Publikum auch nicht wirklich mitreißen. Fairerweise muss man dazu sagen: Es sind nicht viele. Dafür springen die Fans spontan auf manche Lieder an, bei denen Maffay und seine wirklich gute Band offenbar nicht damit gerechnet haben: Das für Maffay eher ungewöhnliche „Sie bleibt“ sorgt für erste euphorische Schübe, und der eingängige Titelsong „Wenn das so ist“ hat das Zeug zur Stadionhymne. Beim gefeierten Abschluss mit „Halleluja“ kann sich Peter Maffay sicher sein: Er bleibt bis auf Weiteres der erfolgreichste Deutschrocker. Auch weil es ihm mit viel Aufwand gelingt, die triste Industriegrotte Zenith ordentlich zu beschallen und optisch aufzurüschen. Das gehört zum Geschäft – und Maffay, das müssen ihm selbst eingefleischte Kritiker zugestehen, macht das, was er macht, immer richtig.

Vielleicht hat Herr Winterscheidt an diesem Abend sogar etwas von Peter Maffay gelernt, so wie der damals von den Stones. Darauf verlassen sollte man sich freilich nicht.

Zoran Gojic

Peter Maffay:

„Wenn das so ist“

(Sony).

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