In der Schwarz-Weiß-Zeichnung erschrickt eine Frau im Anblick eine Riesenkrake.
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„Ich will endlich frei sein“, sagt Wendy und setzt ihre Pillen ab: Doch ist die Krake real? Frank Schmolkes Zeichnungen spielen mit Licht und Schatten.

Comic statt Netflix: Frank Schmolke zeichnet nach dem Drehbuch von „Freaks“ eine Graphic Novel

Netflix-Film „Freaks“ als düsterer Comic

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Bei Netflix läuft seit September der Superheldenfilm „Freaks“. Jetzt hat der Comiczeichner Frank Schmolke aus dem Drehbuch eine düstere Graphic Novel gemacht.

  • „Freaks“ ist eine Koproduktion von Netflix und dem ZDF.
  • In dem Superheldenfilm spielen etwa Wotan Wilke Möhring und Cornelia Gröschel mit.
  • Frank Schmolke hat das Drehbuch von Marc O. Seng als Comic adaptiert.

Es gibt eine Zeichnung von Frank Schmolke aus dem Jahr 1999. Von oben, aus dem Nichts, greift da eine Hand nach dem Kopf eines Mannes und schraubt ihn ab. „So, Feierabend!“, tönt eine Stimme aus dem Off. Obwohl diese Arbeit tatsächlich nichts damit zu tun hat, führt sie direkt hin zu „Freaks“, dem neuen Buch des Illustrators und Zeichners, der 1967 in München geboren wurde. Denn Schmolkes Comic-Roman, für den sich Marc O. Seng die Geschichte ausgedacht hat, dreht sich um die Frage, was geschieht, wenn unser Hirn abschaltet, Feierabend macht. Welche Kräfte werden da frei? Aber auch: Welche Dämonen schaufeln sich dann an die Oberfläche?

„Freaks“ erzählt von der jungen Mutter Wendy

Im Zentrum der Erzählung steht Wendy. Der jungen Mutter wird eingeredet, dass sie ihr Leben nur mit Psychopharmaka im Griff habe. Als sie die Medikamente absetzt, brechen jedoch nicht nur Emotionen ungefiltert hervor, sondern auch übermenschliche Fähigkeiten. „Für jedes ungewollte Gefühl gibt es heutzutage die richtige Pille“, schreibt Autor Seng im Nachwort. „Doch was, wenn all die bunten Pillen nicht nur unsere unbequemen Emotionen im Zaum halten sollen – sondern noch viel mehr?“

Klar, das Thema ist nicht neu, gerade die (Pop-)Kultur variiert es gerne und oft. Das Besondere an „Freaks“ ist, dass Frank Schmolke damit zwar einen Superhelden-Comic vorlegt, das Genre aber reflektiert und pointiert erdet: Er zeigt schlicht Menschen, die schwer zu kämpfen haben mit dem, was mit und durch sie geschieht. Das ist spannend.

Kraftvoll wie immer ist der Stil des Künstlers, der, wie bei seinem Erfolgsbuch „Nachts im Paradies“ über seine Zeit als Münchner Taxler, schwarz-weiß zeichnet. Sein besonderes Interesse gilt hier den Gesichtern, in Detailaufnahmen verrät Schmolke vieles über seine Figuren.

„Freaks“ läuft bei Netflix und 2021 auch im ZDF

„Freaks“ basiert auf dem Drehbuch von Marc O. Seng, die Geschichte wurde zunächst in einer Kooperation von Netflix und ZDF verfilmt. Beim Streamingdienst läuft der Thriller bereits; das Zweite strahlt die Produktion, in der etwa Nina Kunzendorf, Cornelia Gröschel und Wotan Wilke Möhring mitwirken, 2021 aus. Schmolke hat den Film vorab nicht gesehen, um seine Version ungestört entwickeln zu können. Das ist geglückt: wuchtig, düster, mitreißend. Wie sagte bereits 1999 der Typ auf der Zeichnung, als es vorbei ist und sein Kopf abgeschraubt? „Och, Menno. Jetzt schon?“ Berechtigte Frage.

Informationen zum Buch:

Frank Schmolke/Marc O. Seng: „Freaks“. Edition Moderne, Zürich, 240 Seiten; 28 Euro.

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