1. Startseite
  2. Kultur

Neu auf Netflix: Darum ist die Komödie „Don‘t look up“ bereits Oscar-Favorit

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katja Kraft

Kommentare

Leonardo DiCaprio als Dr. Mindy in dem Netflix-Film „Don‘t look up“
„Weltuntergangsprophet mit Schlafzimmerblick“ nennen seine Fans Dr. Mindy (Leonardo DiCaprio) – doch was er ihnen Wichtiges über den Weltuntergang zu sagen hat, das wollen sie nicht hören. © Netflix

Leonardo DiCaprio, Cate Blanchett, Meryl Streep und Jennifer Lawrence in „Don‘t look up“ neu auf Netflix: An Weihnachten startet der brillante Weltuntergangs-Film. Absolut sehenswert!

Zum Teufel, die Typen bei Netflix wissen einfach, wie es geht. Ärgern wir uns nicht lange darüber, dass auch die neue Produktion des Streaminganbieters – „Don’t look up“ – nur kurze Zeit in den Kinos zu sehen sein wird, ehe sie am 24. Dezember bei Netflix anläuft. Man will bei den Preisverleihungen berücksichtigt werden – und etwa bei den Oscars gilt: Einzig Filme, die im Kino liefen, werden ausgezeichnet. Nur wenige werden sich also ein Ticket kaufen, sei es aus Bequemlichkeit, sei es, weil man das kurze Zeitfenster verpasst, in dem der Film auf großer Leinwand zu sehen ist. Den von der Pandemie gebeutelten Häusern setzt das weiter zu. Aber aus Zuschauerperspektive muss man leider eingestehen: Viel von dem Geld, das Netflix scheffelt, investieren die Verantwortlichen in verdammt gute Projekte. Deshalb beenden wir die Schelte – und stimmen das Loblied an. Adam McKay hat wieder ein Glanzstück geschrieben und gedreht. „Don’t look up“, das sind 145 rasante Filmminuten, voll von tiefschwarzem Humor, popkulturellen Anspielungen, urkomischen Dialogen, geschickten Schnitten – und einem Ensemble, das umhaut.

Leonardo DiCaprio (als kauziger Wissenschaftler, immer kurz vor der nächsten Panikattacke – oscarverdächtig), Cate Blanchett (als affektierte Talkmasterin mit Hang zu Alkohol und mächtigen Männern – oscarverdächtig), Jennifer Lawrence (als eigensinnige Doktorandin – oscarverdächtig), Meryl Streep (als machtbesessene US-Präsidentin – oscarverdächtig), Jonah Hill (als zugedröhnter Sohn besagter US-Präsidentin – oscarverdächtig), Mark Rylance (als egozentrischer Tech-Milliardär und Menschenlenker – oscarverdächtig) bilden den phänomenalen Hauptcast. Und dann kommt in der Hälfte des Films Timothée Chalamet daher, um eine Nebenrolle (die des religiösen Punks) zu übernehmen. Geht’s vielleicht noch eine Nummer größer?

Die schwangere Jennifer Lawrence bei der Premiere von „Don‘t look up“.
Die schwangere Jennifer Lawrence bei der Premiere von „Don‘t look up“. © Mike Coppola

Der Plot ist schnell erzählt: Ein Komet rast auf die Erde zu, laut Berechnungen von Dr. Mindy (DiCaprio) und seiner Kollegin Kate (Lawrence) wird er in sechs Monaten und 14 Tagen einschlagen – und damit jegliches Leben auslöschen. Die Wissenschaftler sollen das der US-Präsidentin verklickern, doch die und ihr depperter Sohn und US-Stabschef denken nur an die nächsten Vorwahlen zum Kongress.

Was folgt, ist typisch Adam McKay: In irrer Geschwindigkeit jagt er uns mit grandiosen Montagen, sehr witzigen Politiker-Persiflagen und überaus gelungenen Anspielungen auf unsere kuriose Social-Media-Zeit durch ein bitterernstes Thema. Es geht um unser aller Ignoranz Hiobsbotschaften gegenüber, das Misstrauen in die Wissenschaft, wenn sie zur Veränderung unserer Lebensgewohnheiten ermahnt; es geht um Fake News, Verschwörungstheorien; um einfältige, machthungrige Politiker – und bequem gewordene Bürger, die denen ihre Stimme gaben.

„Don‘t look up“ ist Popcornkino, das lange nachwirkt

Keiner will an den Kometen glauben. Bis er tatsächlich mit bloßem Auge von der Erde aus zu sehen ist. Im englischen Original brüllt Mindy in diesem Moment „They are finally seeing it!“ In der deutschen Variante heißt es „Endlich sehen sie ihn.“ Eine schlechte Übersetzung. Es geht ja nicht um ihn, den Kometen. Es geht um es, das, für den er steht. Für all das, worüber wir rund um die Uhr bestens Informierten Bescheid wissen, aber wovor wir feige die Augen zukneifen. Klimakrise, Massentierhaltung, Rassismus. Und. Und. Und. Wenn die Menschen im Film den Versuch einer Rettungsaktion der US-Regierung nur zum Anlass für das nächste Public-Viewing-Event nehmen, fühlt man sich ertappt. Wir vergnügungssüchtigen Eskapisten. „Wir hatten wirklich alles, wenn man darüber nachdenkt“, sagt Mindy an einer Stelle. Und was haben wir daraus gemacht?

Unbedingt anschauen, unbedingt den Abspann abwarten, unbedingt was daraus mitnehmen. Letzteres geschieht ganz von allein. Bei diesem Popcornkino, das lange nachwirkt.

Auch interessant

Kommentare