Neubauten für Hochschule und Museum: Nüchternheit, Spaß und Pathos

München - Den Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film sowie für das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst in München hat gestern Innenminister Joachim Herrmann an den Kollegen Kunstminister Wolfgang Heubisch übergeben.

Damit sind die Verantwortlichen, Sylvia Schoske (Museum) und Gerhard Fuchs (HFF), jeweils aus ihren so langjährigen wie beengten Notunterkünften im Himmelreich schöner und praktischer Räume angekommen (3750 beziehungsweise 9230 Quadratmeter). Dafür hat der Kölner Architekt Peter Böhm ihnen obendrein imposante Himmelstreppen in den langgestreckten Bau (99 Millionen Euro) an der Münchner Gabelsbergerstraße zwischen Barer Straße und Arcisstraße gesetzt.

Himmelhochjauchzend - gerade recht für hoffnungsvolle Studenten - ist die breite Stiege, die in einem herrlichen Rutsch vom Hochschul-Foyer hinauf unters Dach führt. Das hat Dynamik und zitiert sympathisch die Münchner „Himmelsleitern“ des Mittelalters genauso wie das atemberaubende Treppenhaus von Hans Döllgast in der Alten Pinakothek. An deren Länge von 150 Metern hat sich der Neubau außerdem orientiert. Die Nordfassade läuft - zur Hälfte Betonsockel, zur Hälfte Glasaufsatz - ruhig durch. Einen großen, vertieften Einschnitt gibt es beim HFF-Eingang, während beim Ägyptischen Museum eine freistehende Wand vorgeschoben ist; hier geht der Einschnitt in die Tiefe. Und da man den altägyptischen „Himmel“ nach einer Todesreise erreicht, ist diese breite, flache Außentreppe angemessen. Sie führt ins Museums-Entrée und setzt sich als sanfte Kaskade nach unten fort - in den ersten Saal. Nichts von Düsternis, sondern wunderbares, lebendiges Tageslicht, denn die beiden großen Hallen liegen parallel zu einem Lichthof. Supereffekt: Böhm hat die Fensterfläche durch Dreikant-Säulen rhythmisiert. Übrigens die Figur von Henk Vish schaut mit ihrem roten Blick-Strahl in einen der Säle (s. Foto).

Auch die pragmatische Seite scheint nach dem ersten Eindruck zu funktionieren. Dort Schneide- und Unterrichtsräume, Studios, Kinos und als Ausstülpungen an der Südfassade Audimax und Geräteausleihe, hier Säle schon mit Wandaussparungen für Vitrinen, ja sogar einer Bodenvertiefung für ein Frühzeit-Grab. Überhaupt hat Peter Böhm bei beiden Bau-Teilen eine kluge Balance gehalten. Das architektonische Rückgrat ist die Nüchternheit der Moderne. Bei der HFF (Eröffnung im September) wird sie durch verspielte Gänge und Galerien in der Eingangshalle aufgelockert. Beim Museum Ägyptischer Kunst (Eröffnung 2013) wird sie mit noblem Pathos kontrastiert. Den Sinn fürs Besondere bewies Böhm auch beim Umgang mit Beton. Er hat ein neues Verfahren erfunden. Der viel geschmähte Baustoff ist mit farbigen Steinen gemischt, wird in Tagesschichten gegossen - was man sieht - und ist gestockt, sodass der Beton rau und natürlich gewachsen wie Nagelfluh wirkt. Das mag ein Detail sein, gibt aber der Außenhaut Grandezza.

Herrmann und Heubisch strahlten wegen des neuen Projekts, das auch das Museums-Areal aufwertet. Und der Innenminister ließ sich dazu hinreißen zu sagen, dass er gern für den Kunst-Minister weiterbauen würde. Da strahlte Wolfgang Heubisch nur noch mehr. Er hat ja baulich viel zu tun.

Simone Dattenberger

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