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Ein erster Blick in die Räume der neuen „Galerie Thomas Modern“, die ab morgen die Ausstellung „Joseph Beuys – Anselm Kiefer – Cy Twombly“ zeigt.

Neue Attraktion: Kunst-Zuwachs für München

München - Raimund Thomas eröffnet morgen eine zweite Galerie: „Thomas Modern“ bietet ein museales Ambiente.

Infos:

„Beuys, Kiefer, Twombly“ läuft von morgen bis 22. November, tägl. außer sonntags 10-18 Uhr; Türkenstraße 16, Tel. 089/ 29 000 860.

Näher kann man eigentlich nicht dran sein an den Münchner Zentren für zeitgenössische Kunst: In der Türkenstraße 16, direkt gegenüber der Pinakothek der Moderne und dem Museum Brandhorst, ist jetzt ein neuer, privater Präsentationsraum für Meisterwerke der Gegenwart entstanden, der sich vor den öffentlichen Sammlungen nicht zu verstecken braucht. Denn „Thomas Modern“, die Dependance der renommierten Galerie Thomas aus der Maximilianstraße, beeindruckt sofort durch ihr museales Ambiente.

Schon die weitläufige, zwei Stockwerke hohe Eingangshalle mit schwarzem Marmorboden ist nicht nur nobles Entree, sondern bietet Platz für die effektvolle Präsentation von Skulpturen und Gemälden. Und der 515 Quadratmeter große Ausstellungsraum nebenan überrascht nicht nur durch seine Ausmaße, sondern auch durch einen idealen Mix aus Tages- und Kunstlicht. „Wir sind schon ganz schön über die normale Galerie-Dimension hinausgegangen“, bekennt Raimund Thomas (Foto: Galerie), der als einer der weltweit führenden Galeristen des deutschen Expressionismus gilt.

Was hat ihn jetzt zu dieser Expansion bewogen? „In der Maximilianstraße zeigen wir das ganze 20. Jahrhundert bis teilweise in die Gegenwart hinein“, erklärt Thomas, „aber dieses umfängliche Programm war in den dortigen Räumen nicht mehr darstellbar. Es war einfach wichtig, größere Formate hängen zu können.“ Auch die aktuelle Wirtschaftskrise konnte Raimund Thomas bei seinem Vorhaben nicht erschüttern: „Die Tendenz zur Vergrößerung gab’s schon einige Zeit, durch die Krise haben wir noch mal ein wenig abgewartet, aber dann festgestellt, dass die Zeit gerade jetzt doch reif wäre, diesen Schritt zu tun.“ Der Kunst-Markt, meint der erfahrene Galerist, sei noch relativ gesund, es gebe nach wie vor Käufer und Sammler.

Diese Einschätzung teilt Jörg Paal, der die Dependance „Thomas Modern“ leitet. „Man kann auch heutzutage mit Sammlern gut arbeiten, sofern man wirklich gehobene Qualität bietet“, meint der junge Galerist, der bisher im New Yorker Kunsthandel Erfahrungen sammelte. „Im oberen Marktsegment sind immer Käufer da“, weiß Paal. Und Hochkarätiges aus diesem Segment präsentiert auch gleich die erste Ausstellung in den neuen Galerieräumen: Mit Spitzenwerken von Joseph Beuys, Cy Twombly und Anselm Kiefer macht Thomas Modern den benachbarten Museen echte Konkurrenz. Hinreißend etwa Kiefers „Mann in Meditation“ von 2007, eine Assemblage aus dichten Dornenranken auf rissigem Lehmgrund – ein Werk, das eigentlich als Stachel im Fleisch der Pinakothek der Moderne wirken sollte, wo man bisher noch im Dornröschenschlaf liegt, was die Präsentation von Anselm Kiefer angeht.

Eher ungewöhnlich, dass einige Werke in der ersten Schau von „Thomas Modern“ unverkäufliche Leihgaben sind. „Natürlich steht der Handel mit Kunst für uns im Zentrum, aber es geht uns auch darum, Kunsterfahrung zu vermitteln, das ergänzt sich mit der merkantilen Tätigkeit“, erklärt Paal mit dem typischen diskreten Enthusiasmus eines Händlers im Hochpreissegment. Besonders glücklich ist der frischgebackene Galeriedirektor verständlicherweise über die Ausstellungsräume: „Wir haben eine ganze Weile gesucht, aber als wir das erste Mal hier hereinkamen, wussten wir: Das ist es“, erzählt er und führt die technischen Möglichkeiten der Galerie vor.

Zwei in beliebiger Länge ausfahrbare Wände, mit denen man den großen Saal abschnittweise gliedern oder auch ganz teilen kann. Alles in allem also ideale Voraussetzungen, um das Ziel von „Thomas Modern“ zu erreichen: Auf ein ähnlich hohes Niveau zu kommen, wie in der Maximilianstraße beim Expressionismus. Neben Werken arrivierter Künstler von Richter bis Baselitz soll es dabei gelegentlich auch eine „Überraschung“ für die Galeriebesucher geben – an denen es in diesem Umfeld bestimmt nicht mangeln wird.

Denn falls es noch eines Beweises für die Anziehungs- und Strahlkraft des Kunstareals München bedurft hätte, dann wäre er mit der Eröffnung von „Thomas Modern“ endgültig erbracht. Und obwohl deren Erstausstellung als „Visitenkarte“ natürlich besonders sorgfältig und wirkungsvoll konzipiert ist – wenn diese Galerie so weitermacht, dann existiert direkt neben der Pinakothek der Moderne und dem Brandhorst-Museum jetzt ein weiterer Ausstellungsort für Gegenwartskunst, der München um eine kleine, aber feine kulturelle Attraktion reicher macht.

von Alexander Altmann

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