Stau auf der S-Bahn-Stammstrecke und Störung bei Höllriegelskreuth

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Neue Dimension

- "Mit einem kleinen zarten Scherzo" habe er das zweite Klavierkonzert versehen. Und auch wenn sich da Johannes Brahms - in Erwartung schwitzender Solisten - ironisch gibt: Mag sein, dass die Donnerhaltung bei dem komplexen Opus wirklich nicht immer weiterhilft. Gewiss ließe sich das Konzert angriffslustiger spielen. Doch nach einiger Zeit mit Maurizio Pollini schwante dem Hörer: Hat vielleicht doch eher er Recht?

Poesie ohne Pose

Es war ein Gipfeltreffen in Münchens Philharmonie. Pollini, Mariss Jansons, das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks. Vor allem aber ein Solist, der sich ins Werk erst hineinzuschleichen schien. Bekanntlich ist Pollini kein Freund der großen Pose. Dafür ein nach innen horchender Intellektueller, der sich vom Extrovertierten dieses Stücks nicht verlocken ließ. Mit sentimentfreier Poesie tauchte er nicht nur ins Andante ein, das er sehr zurücknahm, in dem ihm vor der Reprise ein atemberaubender Moment gelang, das Eintreten in eine neue, seelenvolle Dimension. Auch den aufrauschenden Ecksätzen tat diese Schmucklosigkeit gut.

All dies führte vor Ohren, dass deutscher Romantik ein Schuss Debussy, das Vermeiden erdiger Schwere neue Ebenen eröffnet. Zumal Pollini dadurch Reserven hatte für eine starke Steigerungsdramaturgie. Schienen er und Jansons anfangs auf unterschiedlicher Betriebstemperatur - Jansons mit rauschhaftem Gestus, Pollini eher diskret -, so fanden beide im Laufe der 50 Minuten zusammen: der Beweis, dass sich zwei musikalische Haltungen auch gewinnbringend aneinander reiben können.

Eine heftig gefeierte Interpretation, die auch durch die fünfte Symphonie Gustav Mahlers nicht niedergewalzt wurde. Aus der Ära Maazel sind hier noch Aufführungen in entwaffnender, doch kühler Präzision in Erinnerung. Und wieder wurde offenbar, welchen Sprung Jansons den BR-Symphonikern beschert hat. Mögen es sich andere in der Fünften in Neon einrichten, Jansons und sein Ensemble bevorzugten warme Farben. Die Dekadenz, die Süffigkeit, auch der gebrochene Humor Mahlers, all das wurde dennoch herausgearbeitet.

Jansons ließ muskulös auftrumpfen, erzielte trotzdem eine fast überdeutliche Staffelung und Profilierung des Klangs. Eine überlegene Deutung - und ein Orchesterfest: Wer solche Musiker, solch reaktionsstarke Instrumentengruppen vor sich hat, der kann wohl alles wagen.

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