Staatschauspiel: Neue Gesichter - neuer Schwung

München - 25 Premieren, davon acht Uraufführungen, Veranstaltungsreihen: Martin Kusejs Pläne für seine erste Spielzeit als neuer Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels sind ehrgeizig - und sie machen neugierig.

a, was denn nun? „Hier werden Wunder geschehen“, blinkt der Satz auf dem Bildschirm, kaum ist die Internetseite www.residenztheater.de offen. Doch gleich darauf steht da: „Hier werden KEINE Wunder geschehen.“ Die neue Homepage des Bayerischen Staatsschauspiels, das unter seinem neuen Chef Martin Kusej als „Residenztheater“ firmiert, spielt bewusst mit Erwartungen - denen des Publikums und wohl auch denen der Theatermacher. Denn als der 50-jährige Kusej seinen ersten Münchner Spielplan präsentierte, war ihm die Vorfreude anzumerken.

Prompt sprach der Kärntner vom „Spielzeugheft“, als er das Spielzeitheft meinte, das in den Farben Schwarz und Rot seine 55 Schauspieler und die Pläne der ersten Saison vorstellt. Es ist ein erhellender Versprecher: Es soll ja wirklich viel spielerisch probiert werden, wenn Martin Kusej am 6. Oktober seine Intendanz mit der Inszenierung von „Das weite Land“ eröffnet. In den Hauptrollen werden in diesem Schnitzler Tobias Moretti, Juliane Köhler und Eva Mattes zu sehen sein. Sie gehören künftig ebenso zum Ensemble wie Birgit Minichmayr (derzeit die Buhlschaft im Salzburger „Jedermann“) und ihr Kollege Nicholas Ofczarek, mit dem Kusej einen Gastvertrag über zwei Produktionen pro Jahr vereinbart hat. „Das Ensemble ist das Herzstück, der Motor dieses Hauses“, sagt der neue Intendant. „Wer diese Schauspieler sehen will, muss nach München kommen.“

Wie berichtet, wird Martin Kusej das Cuvilliéstheater zum Ort zeitgenössischer Dramatik machen. Uraufführungen der Münchner Autoren Albert Ostermaier und Franz Xaver Kroetz sind hier geplant. Unklar ist dagegen, wie lange der Marstall als Spielort genutzt werden kann: Wegen des schlechten Zustands des Klenze-Baus habe die Baubehörde mit der Schließung gedroht, schlägt Kusej Alarm: „Wir brauchen eine Entscheidung des Eigentümers, was mit dem Marstall passieren soll.“ Jetzt wird das Gebäude zunächst umzäunt, um Passanten vor eventuell herabstürzenden Steinen zu schützen.

Kann das Haus auch in Zukunft Spielstätte bleiben, sollen hier Veranstaltungen zu Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder stattfinden, aber auch die Uraufführung des neuen Stücks von Helmut Krausser. Der hat mit „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“ einen Text geschrieben, in dem alle Mitglieder des neuen Ensembles als Fluggäste besetzt sind, die wegen des Vulkanausbruchs auf Island festsitzen. Ein „Grenzen sprengendes Projekt“ nennt es Kusej, das alle Schauspieler dem Münchner Publikum vorstelle.

Nein, keiner wird von ihm und seiner Mannschaft gleich „Wunder“ erwarten. Sein Versprechen, „einen ganzen Schwung neuer Energie“ in die Stadt zu bringen, genügt für die erste Spielzeit auch vollkommen.

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